1. Fastenpredigt – Bericht

K800_2016-02-14 15.45.29Entsprechend dem von Papst Franziskus ausgerufenen Heiligen Jahr zur göttlichen Barmherzigkeit stehen die diesjährigen Fastenpredigten ganz im Zeichen der Barmherzigkeit. Die Franziskaner-Minoriten-Patres des Klosters Blieskastel predigen an fünf aufeinanderfolgenden Sonntagen in der Fastenzeit zu den geistigen Werken der Barmherzigkeit. Die Predigtreihe begann am ersten Fastensonntag mit der Predigt von Pater Adam.
Um den Gläubigen einen Gesamtüberblick über die Thematik zu geben, zählte Pater Adam zunächst die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit auf. Die leiblichen Werke der Barmherzigkeit sind in Anlehnung an das Matthäus-Evangelium entstanden (Mt. 25, 31.46). JESUS sitzt als Richter auf dem Thron. Er heißt diejenigen willkommen, die den Hungrigen, Durstigen, Obdachlosen, Nackten oder Kranken geholfen oder Gefangene besucht haben. Die Hartherzigen weist er von sich.

Aus dieser Gerichtsrede Jesu entwickelten sich die klassischen sieben Werke der Barmherzigkeit:
– Hungrige speisen
– Durstige tränken
– Fremde beherbergen
– Nackte kleiden
– Kranke pflegen
– Gefangene besuchen
– Tote bestatten
Neben diesen leiblichen Werken kennt die Kirche auch geistige Werke der Barmherzigkeit:
– Unwissende belehren
– Zweifelnde beraten
– Trauernde trösten
– Sünder zurechtweisen
– Beleidigenden verzeihen
– Lästige in Geduld ertragen
– Für Lebende und Verstorbene beten.

Pater Adam zitiert den katholischen Katechismus. Demnach sind die Werke der Barmherzigkeit „Liebestaten, durch die wir unserem Nächsten in seinen leiblichen und geistigen Bedürfnissen zu Hilfe kommen.“ Unter den leiblichen Werken der Barmherzigkeit ist das Almosenspenden eines der Hauptzeugnisse der Bruderliebe. Es ist auch eine gottwohlgefällige Tat der Gerechtigkeit. Wir müssen unser Gewissen, das gegenüber der Not der Armen oft eingeschlafen ist, wachrütteln. Außerdem sollen wir immer mehr in die Herzmitte des Evangeliums vorstoßen, in dem die Armen die Bevorzugten der göttlichen Barmherzigkeit sind.
Papst Franziskus lädt die Christen in seiner Bulle zum Heiligen Jahr ein, die Werke der Barmherzigkeit neu zu entdecken. Pater Adam zitiert ihn mit den Worten: „Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass die Christen während des Jubiläums über die leiblichen und geistigen Werke der Barmherzigkeit nachdenken…“
Nach dieser Einführung geht Pater Adam auf die beiden ersten geistigen Werke der Barmherzigkeit ein: Die Unwissenden belehren und die Zweifelnden beraten.
1. Die Unwissenden belehren
Dieses Barmherzigkeitswerk lehrt uns, von uns weg zu schauen und lädt uns zu neuer Wachsamkeit ein, die aus Mitleid und Liebe gegenüber denen besteht, die Rat brauchen. Dazu zitiert Pater Adam einige Stellen aus dem Alten Testament. Das Kriterium für einen guten Rat findet sich bei Jesus Sirach: „(…) Das Gewissen des Menschen gibt ihm bessere Auskunft als der Wächter auf der Wache. (…) Bei all dem bete zu GOTT. Er wird in Treue deine Schritte lenken.“

Pascal Blaise stellt in einem Text die Kraft des Verstandes vor. „Man muss verstehen zu zweifeln, wo es sein muss, zu behaupten, wo es sein muss, und sich zu unterwerfen, wo es sein muss.“ Manche sündigen gegen diese drei Prinzipien, führt Pater Adam weiter aus, „entweder indem sie alles behaupten als beweisend, weil sie sich nicht auf Beweise verstehen, oder indem sie an allem zweifeln, weil sie nicht wissen, wo man sich unterwerfen muss, oder indem sie sich allem unterwerfen, weil sie nicht wissen, wo man urteilen muss.

In der heutigen Zeit ist es das Dringendste dort zu raten, wo das Leben und die Zukunft auf dem Spiel stehen, bei der Lösung von Grundsatzfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich? Guter Rat ist schwierig, aber immer einen Versuch wert.

Das zweite Werk der Barmherzigkeit: Die Unwissenden lehren
„Verstehst du da, was du da liest?“, fragt Philippus in Apostelgeschichte 30 einen Mann aus Äthiopien. „Wie soll ich verstehen, wenn es mich niemand lehrt?“, antwortet dieser. Pater Adam zitiert Matthäus 23, 8 „Nur einer ist euer Lehrer – Christus“. Es ist unsere Aufgabe, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt. Wir haben alle in der Taufe und in der Firmung die Fülle des Heiligen Geistes empfangen. Durch die Gabe des Heiligen Geistes ist es auch unsere Aufgabe, geistig zu wachsen und in dieser Geistesgabe zu wirken.
In diesem Zusammenhang erwähnt Pater Adam die sieben Gaben des Geistes, die wir nach Jesaja unterscheiden: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Gottesfurcht, Frömmigkeit. Diese Gaben sind ganz auf die Weisheit, die Einsicht und den Rat anderer ausgerichtet. Gott offenbart einigen Menschen immer wieder eine größere Sichtweite. Es geht nicht um Arroganz dem anderen gegenüber, um zu zeigen, wie klug und gescheit man ist. Es geht darum, Menschen die größere Weisheit des Himmels in den einzelnen Momenten des Lebens zu offenbaren. Unser Mehrwissen kommt ganz und gar aus der Offenbarung Gottes. Voraussetzung ist, dass wir den Menschen lieben, den wir beraten und belehren. Wir sollen mit dem Herzen, also mit Liebe, auf die Armut unserer Mitmenschen schauen und ihnen raten, wo die Quelle ihres Heils zu finden ist.
Je besser wir unseren Glauben kennen und leben, desto besser können wir ihn weitergeben. Pater Adam zitiert Papst Paul VI. mit den Worten: »Der heutige Mensch hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind« (Evangelii nuntiandi 41). Wir sollen die Weisheit unseres Glaubens bezeugen, unsere eigene Erfahrung verbinden mit einem soliden Wissen um die Wirklichkeit des Himmels, der Schrift und der Lehre der Kirche. Im Judasbrief (Jud 1 22-23) wird uns dieses Werk der Barmherzigkeit besonders aufgetragen: „Erbarmt euch derer, die zweifeln, rettet sie, entreißt sie dem Feuer. Amen“, so beendete Pater Adam seine Predigt.
Immer wieder darf ich neue Facetten meines Glaubens entdecken. Bisher waren mir vor allem die leiblichen Werke der Barmherzigkeit bekannt. Die geistigen Werke der Barmherzigkeit sind aber mindestens genauso wichtig. Ich freue mich darauf, sie nicht nur aufzählen zu können, sondern durch die Fastenpredigten Impulse für ihre Umsetzung im Alltag zu bekommen. Insofern trifft das zweite geistige Werk der Barmherzigkeit auch auf mich zu. Ich bin gerne bereit, mich belehren zu lassen, um im Glauben zu wachsen. Dieser Einladung aus Pater Adams Fastenpredigt folge ich gerne und freue mich auf die Eindrücke und Denkanstöße aus den Predigten an den kommenden Fastensonntagen.

Andrea Weinmann, Gersheim

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