1. Fastensonntag-Impuls

Die sieben Worte Jesu am Kreuz

K800_2015-04-20 16.36.521. Wort: Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun! (Lk 23, 34)

Und als sie an den Ort kamen, der Schädelhöhe genannt wird, kreuzigten sie dort ihn und die Übeltäter, den einen zur Rechten, den anderen zur Linken. (…) Jesus aber sagte: „Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“ (Lk 23, 33-34)

Versuchen wir einmal, das Ganze aus Jesu Sicht zu betrachten. Er, der Sohn des Allerhöchsten, hängt wehrlos und hilflos am Kreuz. Er, der Herr über die Welt, ist den Menschen ausgeliefert. Welche Strapazen hat er in den vergangenen 24 Stunden auf sich genommen?

– Jesus schlief in der Nacht zuvor nicht;
– im Garten Gethsemane hielt Er furchtbare Todesangst aus,
– und wurde zu Unrecht wie ein Schwerverbrecher zum Tode verurteilt.
Und was tut er? ER schreit zu Gott um Vergebung für seine Peiniger:
„Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

– Jesus wurde von den Soldaten verhöhnt, angespuckt, geschlagen und brutal ausgepeitscht.
– Dann musste er Sein Kreuz zur Hinrichtungsstätte tragen.
– Dort wurde er ans Kreuz genagelt.
Und was tut er? ER schreit zu Gott um Vergebung für seine Peiniger
„Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“

– ER hing am Kreuz, hilflos, wehrlos, machtlos.
– ER hatte rasende Schmerzen und war der Ohnmacht nahe.
– ER hatte furchtbare Atemnot.

Jeder von uns hätte seinen Peinigern gezürnt, hätte enttäuscht oder wütend reagiert. Und was tut er? Er bittet Gott um Vergebung für seine Peiniger. Um Gott für andere um Vergebung bitten zu können, muss man ihnen selbst vergeben haben. Welch unvorstellbar große Barmherzigkeit spricht aus dieser Tatsache? Jesus lehrt uns, was es heißt, Böses mit Gutem zu vergelten. Und er tut dies bis zur Vollendung. Er stellt unter Beweis, dass er die Feindesliebe, die er selbst gepredigt hat, bis ins Äußerste praktiziert, indem er sterbend seinen Peinigern vergibt.
„Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun.“

JESUS denkt selbst in seinem unvorstellbar schrecklichen Leiden nicht an die himmelschreiende Ungerechtigkeit, die ihm widerfährt, nicht an seine furchtbaren Schmerzen, sondern an die Errettung derer, die ihn quälen. Jesus erkennt selbst in seinen Qualen, dass sich die römischen Soldaten nicht der Dimension des Unrechts bewusst waren, das sie an Jesus begingen. Und er bittet Gott um die größte Barmherzigkeit, um das Vergeben ihrer Schuld.

Misericordiae Domini, die Barmherzigkeit des Vaters oder wie das Motto des Heiligen Jahres 2016 heißt „Barmherzig wie der Vater“. Der barmherzige Vater gibt seinen über alles geliebten Sohn in den Tod zur Sühne für unsere Sünden. Jesu Sterben am Kreuz war Gottes Wille, Gottes Heilsplan für die ganze Welt. Ohne Jesu Opfertod wären wir alle für Gott verloren. So ruft Jesus damals wie heute seinem himmlischen Vater zu:
„Vater, vergib ihnen!“, nicht, weil wir es verdient hätten, sondern, weil er uns so sehr liebt, und weil Gott ihn bereits an unserer Stelle für unsere Schuld hat sühnen lassen. Gibt es eine größere Barmherzigkeit, als die Vergebung, die Jesus seinen Peinigern am Kreuz schenkt? Wir alle stehen in seiner Nachfolge. In dieser Fastenzeit sollten wir die Gelegenheit nutzen, darüber nachzudenken, was Jesu Nachfolge für uns bedeutet, eingedenk der Tatsache, dass wir barmherzig sein sollen wie der Vater.

Pater Mateusz Micek

 

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