2. Fastenpredigt – Bericht

„Trauernde trösten“, dieses dritte geistige Werk der Barmherzigkeit stellte Pater Dr. Józef Lizun am vergangenen 2. Fastensonntag vor. Dabei bezog sich Pater Józef nicht nur auf die Trauerarbeit, die nach dem Tod eines geliebten Menschen geleistet werden muss, sondern ging auch auf andere Verluste ein, die verkraftet werden müssen: Scheidung, Arbeitslosigkeit oder schwere Krankheit. Diesen Schicksalsschlägen steht man machtlos gegenüber. Wie dankbar sind die Betroffenen dann für ein tröstendes Wort.

Doch das Trostspenden stellt uns oft vor eine Herausforderung. Was soll man für einen Freund tun, der seine Arbeitsstelle verloren hat? Wie begegnet man einem Schwerkranken oder einem Menschen, der um einen Angehörigen trauert? Menschen trauern unterschiedlich. Jeder trauert auf seine Weise und geht anders mit der Trauer um. Doch wir haben auch vieles gemeinsam und können uns gegenseitig stützen und beistehen. Wenn wir uns manchmal davor drücken, geschieht das sicher nicht aus Herzlosigkeit, sondern aus eigener Hilflosigkeit.

Es stellen sich dann Fragen wie: Welche Unterstützung habe ich anzubieten? Welche Antworten kann ich guten Gewissens geben? Häufig ist das „einfach nur Dasein“ für den Trauernden besser als Worte – da sein durch zuhören, vielleicht gemeinsam weinen und beten. Die Trauernden merken es, ob wir ihnen billigen Trost spenden oder ob unsere Zuwendung mit dem eigenen Glauben durchtränkt ist, der selbst schon manche Not bestanden und die tröstende Salbung Gottes erfahren hat.

Pater Józef zitierte einige Stellen aus der heiligen Schrift zum Thema Trauer und Trost. In Mt 5,4 preist Jesus die Trauernden selig: “Selig die Trauernden, denn sie werden getröstet werden”. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Korinther: „Gepriesen sei der Gott und Vater Jesu Christi, unseres Herrn, der Vater des Erbarmens und der Gott allen Trostes. Er tröstet uns in all unserer Not, damit auch wir die Kraft haben, alle zu trösten, die in Not sind, durch den Trost, mit dem auch wir von Gott getröstet werden“. (2 Kor 1,3-4). Wenn wir Gott verbunden leben und uns vom Heiligen Geist leiten lassen, können wir für andere zum Trost werden und finden auch Worte, die unaufdringlich ermutigen und trösten.

Pater Józef geht auf den heutigen Alltag ein. Der Umgang mit Trauernden fällt uns oft deswegen so schwer, weil Trauer, Tod und Sterben im normalen Alltag kaum noch vorkommen. Viele Menschen erleben nicht mehr wie früher, dass ein Angehöriger zu Hause stirbt. Meistens sterben die Menschen im Krankenhaus oder im Pflegeheim, sodass der Kontakt zum Sterbenden sehr gering ist.

Viele Trauernde scheuen sich, ihre Trauer zu zeigen, weil das oft als belastend und als Makel angesehen wird. Man muss funktionieren, auch auf der Arbeit. Dann ist es schwierig, Trauer zu zeigen. Bei den Mitmenschen herrscht oft große Hilflosigkeit, weil sie nicht wissen, wie sie mit dem Kollegen umgehen können. Aus Furcht, etwas Falsches zu tun, tun viele lieber gar nichts. Um diese inneren Blockaden zu überwinden, muss man wissen, dass man selbst ohnmächtig ist und an der Situation nichts ändern kann.

Wichtig ist es, den Mut zu haben, auf den trauernden Menschen zuzugehen. Dabei soll man dem Trauernden auf Augenhöhe begegnen, das heißt ihm zeigen, dass man selbst auch dieser Situation hilflos gegenübersteht. Dabei ist Zuhören wichtiger als Reden. Anwesenheit und Zuwendung können mehr bedeuten als Worte. Beim anderen sein heißt vor allem, sich selbst zurücknehmen, Gefühle zulassen. Sie sind einfach da und es ist völlig in Ordnung, sich traurig, hilflos oder überfordert zu fühlen.

Die Erfahrung von Schmerz und Leid kann man nicht verleugnen, denn damit würde man einem unbestrittenen Teil unserer Existenz auf Erden widersprechen. Ein gut gelebter Glaube hilft uns aber, Leid zu akzeptieren, er hilft uns, mit Würde zu leiden, im Leiden einen Sinn zu sehen, etwas Wertvolles im Hinblick auf das Heil.

Es ist wichtig, dass man lernt, die Momente der Trauer gut zu leben. Gut gelebt kann Trauer sich in Freude verwandeln. Deshalb sollte man daran denken, dass Jesus uns auf dem Weg des Lebens, auf dem Weg des Kreuzes nicht alleinlässt. Er versichert uns, dass er immer bei uns ist und lädt uns zu einer tieferen Beziehung zu ihm ein: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. (Mt 11,28)

Und obwohl eigentlich nur er allein das menschliche Herz, das vom Leid niedergedrückt ist, beruhigen kann, will er, dass auch wir andere in ihrem Leid und Unglück trösten. Dies alles ist möglich mithilfe von Gottes Gnade, durch Jesus Christus, der die Schande des Kreuzes ertragen und sie in die Freude der Auferstehung verwandelt hat. Durch ihn wurde der Tod der Weg zum Sieg.

Wenn wir das Leiden so betrachten, dann erfahren wir wirklich in uns den Frieden und die Gewissheit, dass wir auf diese Weise nicht allein sind, dass jemand vor uns den Weg der Mühsal und der Ablehnung gegangen ist, ihn durchgestanden hat und von der Kraft Gottes verwandelt wurde.

Bei Pater Józefs Ausführungen wurde ich an eigene Erfahrungen erinnert, die noch einen weiteren Aspekt des dritten geistigen Werkes der Barmherzigkeit beinhalten: Wer sich wirklich die Zeit macht, für Trauernde und leidgeplagte Menschen da zu sein, wird selbst reich beschenkt. Getreu dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ schenkt er seinem Mitmenschen Trost und wird selbst mit dem beglückenden Gefühl beschenkt, seinem Nächsten geholfen zu haben. Und dieses beglückende Gefühl ließ mich meinen Alltag in so mancher Situation leichter ertragen. „Geteiltes Leid ist halbes Leid“. Scheuen wir nicht davor zurück, das Leid unserer Mitmenschen zu teilen.

Andrea Weinmann
Gersheim

 

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