2. Fastensonntag – Impuls

Das zweite Wort Jesu am Kreuz

„Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)

Man stelle sich die Situation vor: Jesus hängt am Kreuz. Ihn peinigen unsagbar große Schmerzen. Er bekommt fast keine Luft mehr. Wenn er versucht, sich durch Abstützen am Pflog unter seinen Füßen etwas Erleichterung zu verschaffen, vergrößert er seine Schmerzen an den ans Kreuz genagelten Händen und Füßen.

Und in diese Situation der unermesslichen Schmerzen, des Ausgeliefert- und Verspottetseins kommt plötzlich die Bitte des reumütigen Verbrechers. Und Jesus sagt nicht etwa: „Lass mich in Frieden, ich habe mit mir zu tun.“ Nein, er verspricht dem reumütigen Sünder: „Amen, ich sage dir, heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43) Was dieses Versprechen in diesem Moment für den Verbrecher bedeutet haben mag, der wie Jesus mit dem Tode rang, können wir nur erahnen.

Jesus steht selbst unter der Folter des Kreuzes noch zu dem, was er den Menschen gepredigt hat. In diesem Zusammenhang sei an das Gleichnis vom barmherzigen Vater (LK 15, 1-3.11-32) erinnert. Jesus erzählt darin, dass der Sohn sein Erbe verprasst und völlig heruntergekommen zu seinem Vater zurückkehrt. Der Vater sieht ihn schon von Weitem kommen. Er macht ihm keine Vorwürfe, sondern nimmt ihn voll Erbarmen wieder auf. Diese tiefe unerschütterlich Liebe des Vaters zu seinem Sohn ist Sinnbild für die Liebe Gottes zu uns Sündern. Und diese unergründliche Liebe und Barmherzigkeit des Vaters lässt Jesus sterbend den reumütigen Verbrecher spüren.

Durch zwei weitere Gleichnisse hat Jesus diese unergründliche Barmherzigkeit Gottes zum Ausdruck gebracht: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, das der Hirte so lange sucht, bis er es wiedergefunden hat und das Gleichnis von der verlorenen Drachme. Um sie wiederzufinden fegt eine Frau ihr ganzes Haus aus und sucht so lange, bis sie sie wiedergefunden hat. Getreu seinen eigenen Worten: „Im Himmel herrscht mehr Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über 99 Gerechte…” (Lk 15,10), verspricht er dem reuigen Sünder das Paradies.

Jesus bleibt seinen Worten bis in den Tod treu. Er gibt so Zeugnis von der unermesslichen Barmherzigkeit des Vaters zu uns Sündern.

Gottes Barmherzigkeit ist mit menschlichem Maß nicht zu messen.
Gottes Barmherzigkeit ist mit menschlichem Verstand nicht zu fassen.
Gottes Barmherzigkeit lässt sich nur im gläubigen, demütigen und reuevollen Herzen erspüren.

Nur wer bereit ist, sich wie der Schächer am Kreuz ganz und gar in die Barmherzigkeit Gottes fallen zu lassen, wird etwas von dieser tiefen Dimension der verzeihenden und bis in den Tod liebenden Barmherzigkeit Gottes erfahren dürfen.

„Barmherzig wie der Vater“, ein großer Auftrag ans uns, wenn wir bedenken, welche Barmherzigkeit der Vater uns nach Jesu Worten erweist.

Pater Mateusz Micek

 

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