3. Fastenpredigt – Bericht

Im Rahmen der diesjährigen Fastenpredigtreihe stellte Pater Mateusz am dritten Fastensonntag das geistige Barmherzigkeitswerk „Sünder zurechtweisen“ vor. Er basierte seine Gedanken auf Texten von Herrn Prof. Dr. Georg May. Um die ganze Bannbreite dieses Themas zu erfassen, stellte er die folgenden Fragen in den Raum:

1. Wen sollen wir zurechtweisen?
2. Wann sollen wir zurechtweisen?
3. Wer soll zurechtweisen?
4. Wie sollen wir zurechtweisen?

Wen sollen wir zurechtweisen?
Wir sollen an erster Stelle die Sünder, die schwer sündigen, zurechtweisen. Schwere Sünden schließen vom Reich Gottes aus. Die brüderliche, schwesterliche, väterliche oder mütterliche Zurechtweisung stellt dem Sünder die Sünde vor Augen, und zwar unabhängig davon, ob er schon gesündigt hat, oder lediglich in Gefahr ist zu sündigen, der sündigen würde, wenn er nicht gewarnt würde.

Nicht immer sind es bewusste Sünden, die wir rügen sollen. Es gibt auch Sünden, die infolge von schuldhafter Unwissenheit begangen werden. Viele Menschen sind religiös und sittlich wenig gebildet und tun Dinge, die nach Gottes Gesetz nicht erlaubt sind. Da ist die Zurechtweisung besonders gefordert. Da müssen wir die Menschen über den Willen Gottes belehren. Die Menschen sollen Gottes Willen kennen und sich nach ihm richten.

Aber auch leichte Sünden können zu schweren werden. Wenn man nicht aufpasst, wird das Gewissen immer schlaffer. Heute lässt man einen Grund zum Versäumnis der Sonntagsmesse gelten, der morgen schon weit „übertroffen“ wird durch einen noch viel geringeren Grund. Deswegen kann es notwendig sein, auch bei lässlichen Sünden Zurechtweisung zu üben. Wir gelangen von lässlichen zu schweren Sünden, wenn wir uns nicht selbst ermahnen oder von anderen warnen lassen.

Wann sollen wir Zurechtweisung üben?
Das Vergehen des anderen muss offensichtlich oder die Gefahr, in der er schwebt, uns vertraut sein. Wenn wir Kenntnis davon erlangen, ist eine der Voraussetzungen gegeben, dass wir die Zurechtweisung üben. Wir müssen den Nächsten zurechtweisen, wenn kein anderer dies tun will oder kann. Wenn wir wie viele Menschen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen und schweigen, wo wir reden müssten, machen wir uns mitschuldig an den Sünden unserer Mitmenschen. Wenn sonst niemand da ist, dann müssen wir reden, dann ist es an uns, die Zurechtweisung zu üben.

Nicht jede Zurechtweisung hat Aussicht auf Erfolg. Aber selbst bei geringen Erfolgsaussichten sollten wir uns nicht vorschnell aus der Affäre ziehen nach dem Motto: „Es hat ja keinen Zweck.“ Denn wir wissen nicht, wie der andere in einer ruhigen Stunde über die Zurechtweisung denkt, die wir ihm haben zuteilwerden lassen. Wir sollten uns nicht zu schnell durch die angebliche Aussichtslosigkeit von der Zurechtweisung für dispensiert halten.

Wer muss die Zurechtweisung üben?
An erster Stelle müssen die Vorgesetzten, ein Dienstherr, ein Bischof, ein Bürovorsteher die Zurechtweisung üben. Eine besondere Pflicht obliegt den Priestern, den Predigern und den Beichtvätern. Sie müssen reden, auch wenn ihre Worte wenig Anklang finden oder wenn sie fürchten, dass diese Worte eine gereizte Reaktion hervorrufen könnten. Sie haben die Pflicht der Zurechtweisung. Sie verfehlen sich gegen diese Pflicht, wenn sie die Zurechtweisung nicht üben. Auch Lehrer, Erzieher und Eltern sind verpflichtet, die Zurechtweisung zu üben. Die ihnen Anvertrauten warten darauf und bedürfen ihrer Weisung, auch ihrer Zurechtweisung.

Aber die Zurechtweisungspflicht trifft nicht nur die Vorgesetzten, sondern auch die Untergebenen. Wenn Vorgesetzte sündigen oder in der Gefahr stehen zu sündigen oder wenn wir bemerken, dass sie dem Gemeinwohl großen Schaden zufügen, müssen wir vor diese Vorgesetzten hintreten und ihnen ihre Fehler vorhalten. Pater Mateusz erläutert dazu das mutige Zeugnis des Propheten Nathan im Alten Testament, der König David wegen seines Ehebruchs mit der Frau des Urias zurechtwies. Im Neuen Testament erfahren wir von der Zurechtweisung des Königs Herodes durch Johannes den Täufer. „Es ist dir nicht erlaubt, die Frau deines Bruders zu haben!“ Diese Zurechtweisung hat ihm den Tod eingebracht.

Auch als Untergebene haben wir folglich die Pflicht, Zurechtweisung zu üben. Es fällt uns nicht leicht, Bischöfe wegen ihres Versagens und ihrer Versäumnisse zurechtzuweisen. Wenn wir sehen, dass durch deren Tun oder Unterlassen dem Gemeinwohl der Kirche schwer geschadet wird, haben wir die heilige Pflicht, unsere Kenntnisse und Wissen in dieser Weise einzusetzen. Im privaten Bereich haben wir die Pflicht der Zurechtweisung gegenüber jedem, der uns anvertraut ist: Verwandte, Bekannte, Arbeitskollegen, Nachbarn…

Wie sollen zurechtweisen?
Immer in Liebe, Milde, Klugheit und mit Takt. Man darf die Zurechtweisung nicht von oben herab auf den anderen kommen lassen, nicht im Gefühl der Überlegenheit. Man muss spüren, dass der Zurechtweisende eigentlich darunter leidet, dass er zurechtweisen muss, dass es ihn etwas kostet, die Zurechtweisung zu üben, dass er sich deswegen nicht über den anderen erhebt, sondern sich mit ihm solidarisch weiß, weil er selbst ein Sünder ist.

Wenn wir in dieser Haltung zu den Menschen kommen, können wir ihnen die Wahrheit sagen wie einer, der mit ihnen vertraut und verbunden ist und ihnen die Zurechtweisung zu ihrem eigenen Nutzen unterbreitet. Wer die Zurechtweisung in rechter Gesinnung übt, will den anderen nicht treffen, will sich nicht an ihm rächen, sondern will ihm helfen. Er will ihn aus seiner Sünde herausreißen oder vor einer Sünde bewahren. Wir müssen einmal im Gericht für unseren Bruder, unsere Schwester, unsere Angehörigen, für die uns Anvertrauten Rechenschaft ablegen. Dann sollten wir wie der Heiland sagen können: „Keinen von denen, die du mir gegeben hast, habe ich verloren.“

Wenn brüderliche, schwesterliche, väterliche oder mütterliche Zurechtweisung erforderliche ist, sollen wir sie im Geist der Solidarität und der Verbundenheit üben. „Wer einen Sünder von seinem Irrweg abbringt, rettet seine Seele vom Tode und deckt eine Menge Sünden zu.“ So schreibt der Apostel Jakobus in seinem Brief.

Pater Mateusz‘ Predigt enthielt viele Denkanstöße für mich. Zum Zurechtweisen gehören immer zwei: Einer, der zurechtweist, und einer, der sich zurechtweisen lässt. Meine Lebenserfahrung zeigt mir, dass es an beidem oft mangelt. Entweder fehlt einem der Mut, den Nächsten zurecht zu weisen, oder derjenige kriegt die Zurechtweisung sprichwörtlich in den falschen Hals. Das Barmherzigkeitswerk: Den Sünder in Liebe zurechtweisen, stellt eine Herausforderung für alle dar. Packen wir sie in GOTTES Namen an.

Andrea Weinmann
Gersheim

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.