3. Fastensonntag – Impuls

3. Wort Jesu: „Frau, siehe, dein Sohn!“ und: „Siehe, deine Mutter!“ (Joh 19,26-27)

Das dritte Kreuzeswort Jesu betrifft zwei Menschen, die seine Kreuzigung miterleben, die Zeugen seiner Kreuzigung sind. Es ist an zwei Menschen gerichtet, die ihm sehr nahestehen, nämlich an seine Mutter Maria und an seinen besten Freund Johannes. Außer Johannes wagt kein anderer Jünger, Jesus bis ans Kreuz zu begleiten. Im Gegenteil: Petrus verleugnet ihn gleich dreimal hintereinander, die anderen fliehen oder verstecken sich. Nur Johannes hält treu zu Jesus.

Jesus hängt sterbend am Kreuz und sieht Maria und Johannes. Und selbst unter seinen unermesslichen Qualen am Kreuz denkt er zum dritten Mal an andere: Er sorgt sich um die beiden Menschen, die sehr eng mit ihm verbunden sind, und schenkt sie einander als Mutter und Sohn, indem ER zu Maria sagt: Siehe, dein Sohn!“ und zu Johannes „Siehe deine Mutter!“ „Und von jener Stunde nahm der Jünger sie zu sich“ (Joh 19, 27), heißt es in der Bibel.

Diese Tatsache hat zwei Komponenten: Jesus denkt selbst unter extremen Schmerzen an die Absicherung seiner Mutter. Er selbst kann die Aufgabe, seine Mutter im Alter zu versorgen, jetzt nicht mehr wahrnehmen und delegiert sie gleichsam an Johannes. Außerdem können die zwei Menschen, die ihm bis in den Tod folgen, ihren Kummer und ihren Schmerz ob des großen Verlustes, den sie erleiden, teilen, gegenseitig füreinander da sein und sich trösten.

Jesus erweist am Kreuz hängend zum dritten Mal seine große Barmherzigkeit: Galt beim ersten Kreuzeswort seine Barmherzigkeit seinen Peinigern, beim zweiten dem reumütigen Verbrecher, richtet sich jetzt seine Göttliche Barmherzihkeit an die Personen, die ihm sehr nahestehen. Aber spricht Jesus mit diesem dritten Kreuzeswort nicht uns alle an? Sollen wir, die wir in ihm geschwisterlich verbunden sind, einander nicht dieselbe Barmherzigkeit zuteilwerden lassen wie Jesus seiner Mutter und seinem Freund? Sollen nicht auch wir untereinander sein wie Mutter und Sohn und einander Barmherzigkeit erweisen, wann immer sie unser Nächster braucht? Sollte nicht diese herzliche Liebe das besondere Erkennungszeichen von uns Christen sein?

Dieses Kreuzeswort Jesu ist wie die beiden vorangegangen sein Vermächtnis an uns, wie wir miteinander umgehen sollen. Wir sollen einander lieben, wie Jesus uns geliebt hat (Joh 15, 12). Und wir sollen einander Barmherzigkeit erweisen, wie er sie uns geschenkt hat. Misericordiae, das lateinische Wort für Barmherzigkeit bedeutet nichts Anderes als „den Armen sein Herz schenken“. Wie weit die Göttliche Barmherzigkeit zu gehen bereit ist, stellt Jesus am Kreuz sterbend unter Beweis.

Vergessen wir nie, dass wir durch die Taufe zu Brüdern und Schwestern in Christus werden. Hat er uns nicht selbst gelehrt, wie wir als seine Geschwister miteinander umgehen sollen: Wie enge Familienmitglieder, wie Mutter und Sohn. So gesehen hat dieses dritte Wort Jesu bis heute nichts an seiner Brisanz und Aktualität eingebüßt. Der Herr gibt uns auch in diesem dritten Kreuzeswort ein Beispiel, wie wir einander Barmherzigkeit erweisen sollen. Ein beeindruckendes Wort unseres Herrn und ein großer Auftrag an uns.

Pater Mateusz Micek

 

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