4. Fastensonntag – Impuls

4. Wort Jesu am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
K800_lama041 (2)Ein Aufschrei JESU in den schwersten Stunden seines Lebens. Er hängt ausgeliefert und wehrlos am Kreuz. Er hat extremste Schmerzen. Er leidet unsagbar große Qualen. Natürlich ist es nur allzu verständlich, nur allzu menschlich, dass ER sich von GOTT verlassen fühlt. Aber ist das wirklich so? Fühlt JESUS sich von GOTT verlassen? Hat JESUS dem Vater nicht immer ganz und gar vertraut? Er sagt sogar einmal „Ich und der Vater, wir sind eins.“ Sollte ER, der GÖTTLICHE SOHN, sich ausgerechnet in der schwersten Stunde seines Lebens von GOTT verlassen fühlen, mit dem ER eins ist?
Eine Antwort auf diese Fragen finden wir in Psalm 22. Es ist bekannt, dass JESUS oft in Psalmen betete. Auch das „Vater unser“ besteht aus Zitaten aus den Psalmen und dem Alten Testament. Und JESUS schenkt SEINEM VATER IM HIMMEL sterbend ein Gebet, diesen Psalm 22, „SEINEN Psalm“, als Zeichen SEINES VERTRAUENS.

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? (…)
Du bist doch der heilige Gott, dem Israel Danklieder singt!
Auf dich verließen sich unsere Väter, sie vertrauten dir und du hast sie gerettet.
Sie schrien zu dir und wurden befreit; sie hofften auf dich und wurden nicht enttäuscht.
Doch ich bin kaum noch ein Mensch, ich bin ein Wurm, von allen verhöhnt und verachtet.
Wer mich sieht, macht sich über mich lustig, verzieht den Mund und schüttelt den Kopf (…)
Seit dem ersten Atemzug stehe ich unter deinem Schutz; von Geburt an bist du mein Gott.
Bleib jetzt nicht fern, denn ich bin in Not! Niemand sonst kann mir helfen!
Viele Feinde umzingeln mich, kreisen mich ein wie wilde Stiere. (…)
Meine Kehle ist ausgedörrt, die Zunge klebt mir am Gaumen (…)
Eine Verbrecherbande hat mich umstellt; (…). Sie zerfetzen mir Hände und Füße.
Alle meine Rippen kann ich zählen; und sie stehen dabei und gaffen mich an.
Schon losen sie um meine Kleider und verteilen sie unter sich.
Bleib nicht fern von mir, Herr! Du bist mein Retter, komm und hilf mir! (…)
Ich will meinen Brüdern von dir erzählen, in der Gemeinde will ich dich preisen:
»Die ihr zum Herrn gehört: Preist ihn! Alle Nachkommen Jakobs: Ehrt ihn! Ganz Israel soll ihn anbeten! Kein Elender ist dem Herrn zu gering; mein Geschrei war ihm nicht lästig. Er wandte sich nicht von mir ab, sondern hörte auf meinen Hilferuf.«
Darum danke ich dir, Herr, vor der ganzen Gemeinde. (…)
Alle Völker sollen zur Einsicht kommen; von allen Enden der Erde sollen sie zum Herrn umkehren und sich vor ihm niederwerfen.
Denn der Herr ist König, er herrscht über alle Völker. (…)

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Diesen ersten Satz betet er laut und ist sich sicher, dass die Um-Ihn-Stehenden den Rest des Psalms kennen, der so hoffnungsfrohe Sätze enthält wie: „Auf dich verließen sich unsere Väter, sie vertrauten dir und du hast sie gerettet“, „Sie schrien zu dir und wurden befreit; sie hofften auf dich und wurden nicht enttäuscht.“, „Kein Elender ist dem Herrn zu gering; mein Geschrei war ihm nicht lästig. Er wandte sich nicht von mir ab, sondern hörte auf meinen Hilferuf.“
JESUS hat uns ein Beispiel gegeben, wie wir mit Kreuz und Leid umgehen sollen. Selbst in tiefster menschlicher Not, in unsagbaren Schmerzen gibt sich JESUS ganz und gar GOTT hin und betet. Sein ganzes Leiden am Kreuz ist getragen durch dieses Gebet. Jesus hat uns eine Botschaft der Hoffnung gegeben, wenn wir ihm ans Kreuz folgen. Lukas 9, 23 – 24. Zugleich zeigt uns JESUS durch das Beten des Psalms 22, dass selbst Menschen mit einem starken Glauben sich von Gott verlassen fühlen können, sonst hätte er wahrscheinlich ein anderes Gebet gesprochen.
Doch in Wahrheit ist GOTT uns im Leiden ganz nah. Leiden nicht auch die irdischen Eltern mit ihren Kindern? Zeichnet nicht JESUS selbst das Bild von GOTT als barmherzigen Vater? Wie könnte der bramherzige Vater seinen Sohn jemals im Stich lassen? Wird ER IHM nicht gerade im Leiden ganz nahe sein wollen? Wird ER IHM nicht gerade in der schwersten Zeit SEINE BARMHERZIGKEIT schenken?
JESUS ist als Mensch in einer extremen Situation. ER betet in seiner Not den Psalm 22. Ein Aufschrei zum himmlischen Vater, dem ER ganz und gar vertraut und in dessen Hände ER sein Schicksal legt. Ein Schrei nach der GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT, nach der BARMHERZIGKEIT des Vaters. Er zeigt uns dadurch, wie wir in unseren Nöten GOTT um Hilfe bitten sollen. Wir dürfen IHN anrufen, ja sogar nach IHM schreien, aber immer in dem Vertrauen, dass ER zum Schluss alles zum Guten wenden wird. Denn auch Psalm 22 endet zuversichtlich.
JESUS schenkt uns am Kreuz sterbend ein Zeichen der Zuversicht. Er gibt selbst unter extremsten Schmerzen und Qualen Zeugnis von der BARMHERZIGKEIT des Vaters, der „sein Gesicht nicht vor ihm verbirgt, sondern auf sein Schreien gehört hat.“ Haben wir nicht allen Grund zur Hoffnung auf GOTTES unendliche BARMHERZIGKEIT, wenn wir den letzten Absatz von Psalm 22 bedenken?

Pater Mateusz Micek

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.