Auf den Spuren des Heiligen Franziskus

Pilgerfahrt nach Assisi 30. September bis 5. Oktober 2013

„ASSISI“: schon der Klang dieses Ortes. Erst stellte ich es mir vor, dann googelte ich und besorgte mir Bücher. Tatsächlich man sieht sanfte Hügel, Berghänge voll mit dunkelgrünen Steineichenwäldern übergehend in die baumlose Gipfelzone des Monte Subasio, unten schmiegt sich das liebliche Tal an, der blaue Himmel Italiens (…),

Assisi_Panoramabild

dann das Bild:

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Ein eher unscheinbarer, kleiner Mann, in alter gar zerlumpter Kutte, barfuß, seltsamen Blick in den Augen, abstehende Ohren und Heiligenschein.
Nochmal hinsehen!
Genau er hat sie: die Male an Händen, Füssen, unter den Rippen.

 

 

 

 

Wundmale des hl. Franziskus

Er ist es: FRANZISKUS

Da will ich nun hin!

Montagmorgen 5 Uhr. Es ist kalt, aber Sterne leuchten. Wir sind zu acht. Ein Bittgebet um gute Fahrt, los geht es. 1.065 km am Stück, die teilen sich beim Fahren Pater Piotr und Bruder Jakob. Über Frankreich, Straßburg, die Schweiz, Basel, Luzern, Gotthardtunnel, dann endlich Italien, Lugano, Como, Mailand, Bologna, kurz vor Rimini abbiegen und durch Landschaften aus Bergen, Hügel, Wälder, Tälern. und immer wieder eine Brücke, noch ein alter Tunnel, Regen, Nebelbänke, es wird schon Nacht… Endlich vor der Silhouette eines Bergkammes, zwischen zwei schmalen Wolkenbändern eingerahmt unser Ziel für die nächsten 6 Tage: Assisi.

San Francesco nachts

Mit Anja werde ich immer losziehen um Assisi bei Nacht, der Ruhe, ohne den Trubel der vielen Pilger zu erkunden. Im gelben Licht der Straßenlaternen eine kleine Ahnung des Lebensgefühls des jungen Giovanni Francesco di Bernardone und auch von Chiara di Faverone di Offreduccio zu erhaschen. Was hat sie bewogen einen solchen Bruch in ihrem Leben zu vollziehen, diesen Weg ein zu schlagen. Alles aufzugeben. Beide haben dann diesen eingehalten und es geschafft andere Menschen anzustecken, mit zu reißen, zu begeistern für ihren Weg, bis heute.

Assisi bei Nacht

Kann ich dem heute auch noch begegnen? Kann es mich auch bewegen, berühren, verändern?

Franziskus Auftrag erreichte ihn auch in San Damiano, zwischen Olivenbäumen, einem Weg nach römischer Art gepflastert, imposanten, dunkelgrünen Zypressen. Man geht ihn und lässt den Lärm aus Assisis Gassen hinter sich. Er verstummt, spätestens wenn man den Vorplatz erreicht. Alle werden ergriffen, die Stimmen verfallen ins Flüstern und Ruhe greift um sich.

San Damiano

Hier hat er die Aufforderung Gottes vernommen: „Geh hin Franziskus, stell mein Haus wieder her, das wie du siehst, zu zerfallen droht.“

 Wie herrlich, dürfen wir doch erfahren, dass auch er zuerst ganz menschlich, wie wir alle, dieses Wort wörtlich genommen hat, erst mal Hand anlegte, das Kirchlein, und nicht nur dieses, mit Vaters gemopsten Mittel  wieder aufbauen lassen wollte. Nach dem Ärger mit dem Herrn Vater Pietro Bernardone und einem seltsamem Priester, der gar kein Geld annahm, taja, da hat er sich die Finger selbst schmutzig gemacht, selbst losgelegt.

Wie geht es mir, den vielen Menschen allen Alters, Nationen, mit und ohne Taufe (…) Hören wir im Trubel unserer lauten Zeit noch hin? Überhören wir die Stimme, ignorieren wir sie gar? Sind wir taub geworden, verstehen wir sie oder interpretieren wir sie, wie Franziskus, erst mal falsch? Macht es uns gar Angst, weil wir dann vielleicht Regeln beachten müssten, Gebote? Würde es uns das unfrei machen? Uns den „Spaß“ am, im Leben, in dieser Welt verderben?

Wer will das heute schon noch, wo doch jeder über sein Leben selbst allein bestimmen kann und vor allem will!

Und schließlich Franziskus war ja ein Heiliger!

Lied der Kreaturen - Sonnengesang

Aber nein, da regt sich was in mir dagegen. Ein Gedanke sagt mir, er war wie ich, wie du, wie wir alle (…) „Bau meine Kirche auf!“ Dafür braucht man in der Praxis jede Menge Steine, Ziegel, Holz, Nägel, Mörtel, Werkzeug (…) ganz viele, ganz verschiedene Einzelteile werden gebraucht, mit verschiedenen Voraussetzungen und Eigenschaften, so wie wir Menschen ebenfalls unterschiedlich sind. Alle werden gebraucht, alle sind wichtig, nichts und niemand ist besser oder schlechter. Ja, manchmal ist die Größe gefragt, dann ist ganz unabdinglich etwas Kleines von Nöten und das Große nützt rein gar nix. Manches Material muss ganz fest sein, anders biegsam oder Kleber(…) Nur zusammen, alle, ja dann kann und könnte der Wille des Vaters Realität werden. Ein großer Traum, auch heute noch, ein guter Traum mit dem Ergebnis einer guten Welt für alle. Für Mensch und Natur, so wie es für uns von Anfang an gedacht war.

Einer der Morgen hatte einen ganz besonderen Anfang. Es ist kurz vor 7:00 Uhr, es geht Richtung Basilica San Francesco, durch die Unterkirche hinab zur Krypta. Nachträglich zwar hinzugefügt, aber klein und klar. Rötliche, raue, roh behauende Steine, schlichte Holzbänke. Ich glaube das hätte Franziskus gefallen. Mit der Größe geht es mir ähnlich, zwar in der Art total anders als unsere kleine Wallfahrtskapelle, aber das Gefühl der Nähe ist auch hier besonders. Nun hatten wir die Ehre genau an diesem besonderen Ort die morgendliche Eucharistie, mit und durch Pater Piotr selbst, feiern zu dürfen. Man kann es nicht beschreiben, man kann es nur erleben und das durfte ich.

La Tomba St. Francesco

Wir hatten auch eine besondere Führung in der Basilika San Francesco mit Bruder Thomas Freidel. Seine Ausführungen waren sehr anschaulich, so gut begreifbar. Sein Buch mit dem Titel „…verkündet aller Kreatur…“ hab ich mit nach Hause genommen um mir seine Worte immer wieder ins Gedächtnis rufen zu können.

Sann Francesco und Reiter

 

Wir sind auch unter anderen ins Rietital gefahren, dort hat Franziskus auch den Brauch der lebendigen Krippe zum ersten Mal gefeiert. Wir haben eine herrliche Messe unter freien Himmel gefeiert, die den Abschluss fand mit den Kanonenschüssen die, die Feier zum Transitus des hl. Franziskus eröffneten, als sei es abgesprochen. Es war schon der 3. Oktober.

Wir sind zur Portiuncula gefahren, an die wir aber an diesen Tag nicht ran kamen, da zum einen die erwähnte Feier war und die Menschenmenge so groß, auch waren bereits die Vorbereitungen zum Besuch von Papst Francesco im vollem Gange.

Transitusfeier in Portiunkula

Der Tag darauf war ganz im Zeichen von Papa Francesco, ich hatte keinerlei Vorstellung, aber er ist ein wahrlich beeindruckender Mann. Vereinbart viele wundervolle Eigenschaften, Ausstrahlung wie Warmherzigkeit, Offenheit u.v.m., ich glaube man darf noch Einiges von ihm erwarten.

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Wir sind viel gelaufen, wie an allen Tagen, haben helle, freudige Begeisterung erlebt. 

Olivenhainchen

Schon war der Tag der Abreise, so schnell war die Zeit verflogen, wir haben doch noch Gelegenheit bekommen in die Portiuncula zu kommen, auch hier das Geschenk der Ruhe, durch die frühe morgendliche Zeit, der Regen tat vielleicht das seine noch dazu. So konnten wir unsere Meditation dort halten. Meine Gedanken waren vielfältig, meine Gefühle,  meine Gebete, meine Bitten auch.

Hl. Maria von den Engeln

Ich habe einen Teil meines Herzes dort gelassen und wünsche mir, genau wie all die Brüder, die von dort auszogen sind um die Botschaft in Namen Franziskus zu verkündigen, dass ich wieder kehren kann in die Portiuncula, nach Assisi, nach Carcerie. Ja, und natürlich an all die anderen Orte, die ich jetzt zu erwähnen vergessen, ausgelassen habe und die, die ich nicht gesehen habe und am liebsten in der gleichen Begleitung!

Eingangstor derBasilika

 

Aber viel wichtiger die Erkenntnis:

Die Tür ist offen!

Gott wartet auf uns.

 

 

Nacht in Assisi

 

Beatrix Schons

 

 

 

2 Kommentare zu “Auf den Spuren des Heiligen Franziskus

  1. Toller Artikel, sehr bewegend geschrieben und man hat das Gefühl etwas ”einzutauchen”

    Auch die stimmungsvollen Photos geben ein tolles Bild !

     
  2. Wie schön, diesen Artikel zu lesen.
    Ich bin eine von denen, die auch dabei waren.
    Und Beatrix hat nicht übertrieben: Es war eine ganz besondere Pilgerreise.
    Jeder Tag hielt was Neues, Schönes, Staunenswertes bereit.
    Man muss es einfach erlebt haben.
    Ich kann nur sagen:
    Danke Beatrix für deinen tollen Artikel.
    Dank an Pater Piotr, der alles hervorragend organisiert hatte.
    Dank an alle, die dabei waren. Wir hatten eine sehr schöne Zeit miteinander.
    Und vor allem Dank dem lieben Gott. Durch Ihn sind wir miteinander verbunden.
    Sigrid

     

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