Barmherzigkeitssonntag – Gedanken zur Vigil

Für 21 Uhr luden die Patres der Minoriten Blieskastel zur Vigil des Barmherzigkeitssonntags ein. „Sehr späte Uhrzeit“, dachte ich – ähnlich wie in der Osternacht oder an Heilig Abend. Späte Uhrzeit – ungewöhnlicher GOTTESDIENST? Oder was erwartet einen, wenn man eine Vigil besucht?

Unter Vigil stellte ich mir immer so eine Art Vorabendmesse zu einem besonderen Kirchenfest vor. Meine Recherche im Internet ergab „Vigil ist eine „Nachtwache“ vor großen Festen, insbesondere gilt die Osternacht als Mutter aller Vigilien. Also lag ich gar nicht so falsch.

Ausstellung JP II.

 Ich betrat die Klosterkirche. Etwa 20 Gläubige saßen in den Bänken. Die Heilige Messe wurde von Pater Piotr und Pater Józef zelebriert. Pater Mateusz spielte Orgel und Querflöte. Eine etwas ungewohnte Atmosphäre empfing mit beim Betreten der Kirche. Im gesamte hinteren Bereich wird eine Ausstellung über den verstorbenen Papst Johannes Paul II gezeigt, über seine Lebenstationen und sein Wirken.

Mein Blick schweifte nach vorne, Richtung Chorraum. Auch dort hatte sich gegenüber Ostersonntag so einiges verändert. Drei große Banner hängen dort. Links neben der Kreuzigungsgruppe ein Banner des seit heute heilig gesprochenen Johannes XXIII, rechts neben der Kreuzigungsgruppe ein ebenso großes Banner des ebenfalls heute heilig gesprochenen Johannes Paul II. Rechts daneben, einem Seitenaltar ähnlich, hängt ein großes Banner des barmherzigen JESUS.

Altarraum zur Heiligsprechung

Die Erklärung von Pater Piotr ließ nicht lange auf sich warten. Die Banner der beiden Päpste wurden als Hinweis auf ihre Heiligsprechung aufgehängt. Johannes Paul II hatte Faustine heilig gesprochen, die von JESUS selbst den Auftrag erhielt, ein Bildnis des barmherzigen JESUS zu malen. Selbst der Malkunst nicht mächtig, beauftragt schließlich die Oberin einen Künstler, der nach Faustines Angaben den barmherzigen JESUS malte.

Interessant – weil mir bis dato unbekannt – war für mich die Tatsache, dass zwei verschiedene Bilder des barmherzigen JESUS existieren von zwei verschiedenen Künstlern. Das in Blieskastel aufgehängte Banner zeigt das zweite gemalte Bild, von dem Pater Piotr erläuterte, dass es sich vor allem in den Gesichtszügen JESU vom Ursprungsbild unterscheide. Außerdem strömen im Ursprungsbild nur zwei schmale Strahlen aus dem Herzen Jesu, die Blut und Wasser symbolisieren, aus dem zweiten Bild strömen zwei Strahlenbündel hervor und scheinen JESUS Körper schon fast einzuhüllen.

Ich musste für mich etwas schmunzeln. „Gut“, dachte ich, „dass du in den Predigten aufpasst“, denn als Pater Piotr über die Strahlen aus dem Herzen JESU predigte, dachte ich unwillkürlich an Pater Mateusz‘ Predigt, als die Soldaten JESU Seite eröffneten. Blut und Wasser flossen aus Jesu Seite. Wasser Symbol der Taufe, Blut Symbol von Leib und Blut Christi, also der Heiligen Eucharistie.

Johannes Paul II sprach Faustine nicht nur heilig. Er führte auch die Novenne zur GÖTTLICHEN BARMHERZIGKEIT ein, die die Christen von Karfreitag bis Samstag vorm Barmherzigkeitssonntag beten sollen. Seit der Heiligsprechung von Faustine hat der wegen der an diesem Tag in vielen Gemeinden gefeierte „Weiße Sonntag“ nunmehr auch den Namen „Barmherzigkeitssonntag“. Was könnte statthafter sein, als den „Weißen Sonntag“, an dem so viele Kinder zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangen, angesichts der damit verbundenen Gnade und GÖTTLICHEN Barmherzigkeit als Barmherzigkeitssonntag zu bezeichnen?

GOTTES Barmherzigkeit – da bin ich mir sicher – wirkt auch noch in unseren Tagen und nach unserer Zeit.

Andrea Weinmann

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