Die „Lebendige Krippe“ von Greccio

K800_2015-12-27 18.27.14„Oh wie schade, es ist schon wieder vorbei“ – „Andrea, dürfen wir nächstes Jahr wieder mitmachen?“ – „Es war soo schön…“, das sind nur einige Reaktionen, die ich von den Krippenspielkindern im unmittelbaren Anschluss an die Uraufführung der „Lebendigen Krippe“ von Greccio bekommen habe. Und die Besorgnis im Vorfeld, ob denn auch alles ja gut klappen werde und ob auch genügend Zuschauerinnen und Zuschauer kommen würden, war im Nachhinein betrachtet unbegründet.

Und wie sie kamen… Die Klosterkirche war wieder bis auf den letzten Platz besetzt, auch auf der Empore saßen K800_2015-12-27 18.26.16Leute, an beiden Seiten und hinten im Bereich der „Heiligen Pforte“ standen Kinder mit ihren Eltern. Deshalb war es gut, dass wir dies bei der Choreographie des Stückes von vorneherein eingeplant hatten. Die Darsteller/Innen zogen mehrfach zu beiden Seiten der Kirche und durch den Mittelgang ein, damit auch die Kinder in den hinteren Bänken alles gut sehen konnten.

K800_2015-12-27 18.26.26Die Idee zu diesem Stück entstand bereits vor zwei Jahren. Denn nachdem wir hintereinander zuerst ein modernes – und dann ein bibelnahes Krippenspiel aufgeführt hatten, sollte es dieses Mal etwas ganz Anderes sein. Und was lag in einem Franziskanerkloster näher als einmal zu erzählen, wie das damals eigentlich war, als der Heilige Franziskus die Idee zur Lebendigen Krippe hatte. Dank der Aufzeichnungen des Heiligen Thomas von Celano konnte ich ein geschichtsnahes Krippenspiel schreiben.

„Was ist denn das?“ mag vielleicht der eine oder andere Besucher gedacht haben, als er die Klosterkirche betrat, „da stehen ja gar keine Kulissen. Und auch die Darsteller haben bis auf wenige Ausnahmen keine Kostüme an“. Der Sinn dieser Tatsache erschloss sich dem Publikum während des Stückes. Thomas von Celano (Nico) berichtete in Reimform, wie das vor 800 Jahre in Greccio war. Dabei liefen der Heilige Franziskus (Nicole) und Johannes (Felix) auf der ersten Altarstufe auf und ab.

Franziskus schickte schließlich Johannes nach Greccio, um die Leute um Hilfe zu bitten. Johannes kam zu Valentina (Vanessa) und AlfredoK800_2015-12-27 18.27.20 (Rafael) und fragte ob sie mit ihrem neugeborenen Kind die heilige Familie darstellen könnten. Nach ihrer Zusage „verschwanden“ die beiden durch die Sakristeitür zum Umziehen. Johannes fragte derweil Bartolomeo (Teresa) und seinen Sohn (Elisabeth), ob sie ihre Tiere mitbringen und Hirten spielen könnten. Auch ein Junge (Mika) bot sich an, einen Hirten zu spielen, gefolgt von zwei Kindern (Kira und Caya), die Engel spielen wollten. So hatte Johannes alle Darsteller zusammen, die ebenfalls in der Sakristei zum Umziehen verschwanden.

Während das Instrumentenensemble spielte und die Gemeinde „Leise rieselt der Schnee“ sang, bauten Johannes, Franziskus und ich gemeinsam vor den Augen des Publikums die Kulissen auf. Die Krippe wurde herbeigebracht, Tierfelle wurden auf den Boden gelegt, derweil schon die ersten Schauspieler umgezogen waren. Franziskus las nun aus der „gereimten“ Heiligen Schrift vor, wie Maria im Stall zu Bethlehem ihr Kind gebar.

Maria und Josef zogen an der linken Kirchenseite ein. Maria hatte das Jesuskind im Arm. Bereitwillig machten die Zuschauer/Innen den Darstellern Platz. Leuchtende Kinderaugen waren zu sehen, als Maria und Josef so dicht bei ihnen vorbeizogen. An der Krippe angekommen wurde die Puppe gegen ein lebendiges Baby getauscht. Da wir zwei Babys hatten, wechselten die Eltern zwischendurch die Kinder aus. So wurde es für keins der Kinder zu viel.

K800_2015-12-26 16.45.53Die Hirten waren in der Zwischenzeit fix und fertig angezogen aus der Sakristei gekommen und die Engelsdarsteller, die sich inzwischen ebenfalls umgezogen hatten, verkündeten ihnen die frohe Botschaft, dass der Heiland geboren sein. Zu dem Lied „Kommet Ihr Hirten“ zogen die Engel und Hirten – dieses Mal durch den rechten Außengang und den Hauptgang in Richtung Krippe. Dort knieten sie nieder, huldigten dem Jesuskind und erzählten Maria und Josef, was sie auf dem Feld erlebt hatten.

Zum Abschluss bat der Heilige Franziskus die Leute um eine großherzige Spende für einen guten Zweck. K800_2015-12-26 16.46.10Die Hirten und das Engelskind zogen gemeinsam los und sammelten das Geld ein. Es folgte das gemeinsame „Vater unser“ und der Segen für die Gläubigen. Zum Lied „Oh du fröhliche“ spendeten Pater Mateusz Micek, Pater Józef Lezun, und Pater Józef Matula den Kindern den Einzelsegen.

K800_2015-12-26 16.46.39Im Anschluss traf man sich auf Einladung von Pater Mateusz auf dem Klosterinnenhof zum gemütlichen Beisammensein bei Gebäck, Glühwein und Kinderpunsch. Die Tiere wurden vor allem von den Kindern bestaunt. Esel, Schafe, Hahn und Henne, lockten sie geradezu magisch an. Auch unsere Darsteller/Innen verbrachten noch eine Zeit lang in der Außenkrippe, bis alle Erinnerungsfotos gemacht waren.

K800_2015-12-26 17.05.28

Es war wieder eine rundum schöne „Lebendige Krippe“, so war zusammenfassend das Echo beim Publikum. Und meine Krippenspielkinder… Ja, da musste ich schmunzeln: Sie planten schon, wer nächstes Jahr welche Rolle spielt, wohl gemerkt bei einem neuen Krippenspiel, das ich noch gar nicht geschrieben habe, gemäß dem Motto: „Nach dem Krippenspiel ist vor dem Krippenspiel.“

Andrea Weinmann
Gersheim

 

K800_2015-12-23 15.42.52

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.