Einkehrtag der Franziskanischen Gemeinschaft am 16. Juli 2016

Wiedersehensfreude, aber auch das Vermissen von Menschen, die aus den verschiedensten Gründen nicht kommen konnten und leider auch die Gewissheit den geistlichen Begleiter des Tages, Pater Rafal, in der nächsten Woche weiter ziehen lassen zu müssen. Ziehen zu lassen zu seinen nächsten Aufgaben und Menschen, in das Kloster Felix nach Neustadt an der Waldnaab.

Pater Rafal hat sich an diesem Tag mit uns über die Schrift des Papstes Franziskus anlässlich des außerordentlichen Jubiläums der Barmherzigkeit unterhalten. Wir lasen gemeinsam in der Schrift und die Begeisterung von Pater Rafal über die Ausdrucksweise ging auf uns über, denn sie ist so gehalten, dass sie von leichter Lesart ist und jedem verständlich, begreifbar, nachvollziehbar, anwendbar ist.

Die Schrift umfasst in DIN 5 nur 43 Seiten, große Schrift und daher möchte ich nicht eine Zusammenfassung zum Besten geben, sondern anregen es doch mal selbst zu lesen und wirken zu lassen.

Ein Satz, den unseren geistlichen Begleiter sichtlich begeisterte, blieb direkt bei allen Teilnehmern haften und so könnte er vielleicht zusätzlich neugierig machen und  zur Lektüre anregen:

„Der Tragbalken, der das Leben der Kirche stützt, ist die Barmherzigkeit“ (Seite 15, Punkt 10)

Mich persönlich sprach das Kapitel über die Anregung zur Pilgerfahrt an. Pilgerfahrt in diesem heiligen Jahr, aber auch für die Pilgerfahrt des eigenen Lebens.

„Richtet nicht                                   – dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden“

„Verurteilt nicht                                – dann werdet ihr auch nicht verurteilt werden“

„Erlasst einander die Schuld        – dann wird auch euch die Schuld erlassen“

„Gebt                                                 – dann wird auch geben werden“

„In reichem, vollem, gehäuften, überfließenden Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden“ ([Lk, 6,37-38] Seite 19, Teile des Punktes 14, 2. Absatz)

Wir haben auch darüber gesprochen, dass man sich selbst gegenüber Barmherzigkeit haben soll und haben muss, denn nur so kann man Barmherzigkeit geben, aus dem Herzen, aus der Liebe heraus. Sie haben mit der Familie, Partner, Kindern, Freunden, Kollegen und allen Menschen, die uns der Herr auf den Weg stellen wird und für die wir sorgen sollten.

Hier Worte des Papstes dazu:

Es handelt sich dabei um ein Lebensprogramm, das sowohl sehr einfordernd ist, als auch voller Freude und Friede. […] Um fähig zu sein, die Barmherzigkeit zu leben, müssen wir also zunächst auf das Wort Gottes hören. Das heißt, wir müssen den Wert der Stille wiederentdecken, um das Wort, das an uns gerichtet ist, meditieren zu können. Auf diese Weise ist es möglich, die Barmherzigkeit Gottes zu betrachten und sie uns anzueignen und zum eigenen Lebensstil werden zu lassen.

(Papst Franziskus, gefunden unter: https://www.dioezeselinz.at/portal/zu/jahrderbarmherzigkeit/materialien/article/40086.html)

Barmherzigkeit buchstabiert!

Immer
auf Augenhöhe

Nie
von oben herab

Stets auf Neue
hinein buchstabiert
in den Alltag:

Beistehen – wo andere gehen
Aufrichten – mitten im Druck
Respekt zollen – jedem Menschen
Mut machen – statt lähmen
Humor haben – und lachen
Einfühlsamkeit riskieren – mitten in der Routine
Rachegelüste wandeln – durch ein neues Denken
Zuwendung leben – aus Überzeugung
Interesse bekunden – mit wachem Blick
Großzügigkeit wagen – und der Enge trotzen
Keine Schranken setzen – dem Wohlwollen
Einen neuen Anfang machen – immer wieder
Ideenreich Brücken bauen – aufeinander zu
Tragen und getragen werden – aus vollem Herzen

Barmherzigkeit:
stärkend wie  Brot,
anregend wie Wein,
belebend wie Wasser,
notwendig wie Luft.

(Stefan Schlager)

 

Doch schließen möchte ich dann mit einer Geschichte aus dem Gottesdienst vom Sonntag den 17.7.2016, die eigentlich im Zusammen mit dem Evangelium von Martha und Maria erzählt wurde. Dennoch gilt sie, zumindest für mich, unter anderen auch für die Ausübung von Barmherzigkeit.

Sie ist gleichsam Ermutigung, als auch Entlastung sich stetig unter Druck zu setzen, Gefahr zu laufen auszubrennen, ja und auch vielleicht enttäuscht, verletzt, verbittert zu werden und so wie es denn auch Pater Mateusz sagte: “Es ist für mich vor allem eine Ermutigung, eine Ermutigung zum Leben in Fülle. Wir Christen sollten erfüllt sein, damit unser Glaube auch attraktiv, ansteckend wird für andere Menschen.“

Schale sein und nicht Kanal

Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal,

der fast gleichzeitig empfängt und weiter gibt,

während jene wartet, bis sie erfüllt ist.

Auf diese Weise gibt sie das, was bei ihr überfließt, ohne eigenen Schaden weiter…

Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen
und habe nicht den Wunsch freigiebiger zu sein als Gott.

Die Schale ahmt die Quelle nach.
Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist,
strömt sie zum Fluss, wird zur See.

Die Schale schämt sich nicht,
nicht überströmender zu sein als die Quelle…

Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst.

Wenn du nämlich mit dir selbst schlecht umgehst,
wem bist du dann gut?

Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle, wenn nicht, schone dich.

(Bernhard von Clairvaux 1090-1153)

 

Beatrix Schons

 

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