Fastenpredigt am 5. Fastensonntag 2015

Am 5. Fastensonntag kamen mit Schwester Judith Velten im wahrsten Sinne des Wortes „die Frauen zu Wort“. Unter Beisein von Pater Mateusz, Pater Józef, Pater Rafael und Bruder Jakub stellte sie den rund 40 Gläubigen, die zur Andacht gekommen waren, ihren Orden, die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser (Niederbronner Schwestern) vor.

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Die Gründerin des Ordens Elisabeth Ettinger  wird am 9. September 1814 in Niederbronn im nördlichen Elsass geboren. Die Zeit ist geprägt von Hungersnot, Epidemien, politischen Unruhen und Konflikten. Kinder, alte und kranke Menschen bleiben sich oft selbst überlassen. Elisabeth wächst auf in der Geborgenheit von Familie, Nachbarschaft und Pfarrei. Früh hilft sie in Haus und Feld, betreut die kleinen Geschwister.

 

Sie spürt früh die Sehnsucht nach Gott. In der Schule ist ihr der Religionsunterricht am liebsten. Sie will nur von Gott hören und nur von Gott sprechen. Als Jugendliche trifft sie sich mit Gleichgesinnten zu Gebet und religiösen Gesprächen, aber auch um Kranke, Arme, Alleinstehende, Familien in Not zu besuchen und zu unterstützen.

 

Mehrfach wird sie von Krankheit lange ans Bett gefesselt, muss Ängste, Glaubenszweifel und ihr Untätigsein aushalten. 1845 erkrankt sie neu und ist für Jahre bettlägerisch. In dieser Zeit kommen täglich bis zu 80 Besucher an ihr Krankenbett um sich auszusprechen und ihren Rat zu suchen. Elisabeth ist bekannt geworden als die Seherin von Niederbronn.

 

Ihr Wunsch, in eine Ordensgemeinschaft einzutreten wächst. Doch Bischof Räß von Strasbourg erkennt einen anderen Auftrag für sie, heißt sie warten. Elisabeth Eppinger gründet 1849 selbst einen Orden, die Kongregation der Schwestern vom Göttlichen Erlöser. Am 28. August zieht sie mit ihren Gefährtinnen ins Klösterle in Niederbronn ein. Ihr Ordensname wird Alfons Maria nach dem hl. Ordensgründer Alfons Maria von Liguori.

 

Junge Frauen aus der Umgebung und aus großer Entfernung treten in die junge, rasch wachsende Ordensgemeinschaft ein. Bald werden Schwestern zur Versorgung von Kranken und Bedürftigen erbeten. Immer mehr Niederlassungen werden eröffnet. Am 31. Juli 1867 stirbt Mutter Alfons Maria. Was sie begonnen hat wächst weiter und entfaltet sich weltweit.

 

„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“. (Joh 12, 24) – „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat“  (Joh 3, 16)

 

Aus diesem Glauben lebt Mutter Alfons Maria. Ihr ist das Charisma geschenkt, das Geheimnis der Erlösung zu betrachten, daraus zu leben und anderen zu helfen, Zugang zu diesem Geheimnis zu finden. Sie muss die Liebe Gottes weitergeben, muss Menschen helfen, leiblich und seelisch wieder in menschenwürdigen Verhältnissen zu leben. Dazu schickt sie ihre Schwestern in die Häuser zu den Ärmsten, zu Kranken und Verlassenen, sammelt bald streunende und elternlose Kinder ein, die endlich ein Heim und Heimat finden und versorgt alte, alleinstehende Dienst-mägde im Kloster.

 

Ihr Auftrag an uns findet sich im Prophetenbuch Jesaja, wo Gott sagt:

Das ist ein Fasten, wie ich es liebe!  (Jes 58, 6-10)

6   … die Fesseln des Unrechts zu lösen, / die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, / jedes Joch zu zerbrechen,

7   an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, /die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden / und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen.

8   Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte /und deine Wunden werden schnell vernarben. Deine Gerechtigkeit geht dir voran, / die Herrlichkeit des Herrn folgt dir nach.

9   Wenn du dann rufst, / wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird er sagen: / Hier bin ich. Wenn du der Unterdrückung bei dir ein Ende machst, / auf keinen mit dem Finger zeigst und niemand verleumdest,

10 dem Hungrigen dein Brot reichst /und den Darbenden satt machst, dann geht im Dunkel dein Licht auf / und deine Finsternis wird hell wie der Mittag.

 

Jesus selbst hat dieses Fastengebot gelebt, es an uns weitergegeben in seinem Gebot der Nächsten- und Feindesliebe und uns die Werke der Barmherzigkeit ans Herz gelegt. Mit seinem Leben ist er für diesen Auftrag eingestanden bis zum Kreuzestod, damit wir Menschen alle ins Leben in Fülle kommen.

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Schwester Judith gibt sodann einige Worte der Gründerin wieder, die den Christen eine kleine Hilfe auf ihrem Weg  zur Lebensfülle sein können:

 

„O, wie ist die Güte und Barmherzigkeit Gottes groß. Er gibt nicht acht auf unsere Schwachheiten.“ – Mutter Alfons Maria lebt aus dieser Erfahrung. Selbst krank, schwach, ungebildet schafft sie es, eine Ordensgemeinschaft mit vielen Werken der Barmherzigkeit aufzubauen und Ratsuchenden Orientierung und Glaubensstärke zu geben. Ergriffen und überwältigt von Gottes Liebe wünscht sie jedem Menschen diese Erfahrung. – Mit allem und in allem bedingungslos geliebt.

 

„Ihr sollt mit allen zuvorkommend und gefällig sein und keinen Unterschied machen zwischen Arm und Reich.“ – Allen zuvorkommend begegnen, die je eigene Art und Würde achten, offen sein für die Bedürfnisse jedes Einzelnen, alle gleich wertschätzen, ist ziemlich anspruchsvoll. Doch Mutter Alfons Maria verschärft diese Weisung noch. Sie sagt ihren Schwestern wie sie in der Gemeinschaft miteinander umgehen sollen: „Kommt einander in Achtung zuvor, liebt einander aufrichtig und herzlich.“

 

Die Ruhe, die Heiterkeit und die Freude stehen den Kindern Gottes zu. – Im Psalm 23 kündet der Beter von Gott, dem guten Hirten, der zum Ruheplatz am Wasser führt. Dieses Bild hat sie vor Augen, sicher auch die Zusage Jesu, von der uns der Evangelist Matthäus berichtet, „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ (Mt 11,28)

 

Wer seinen Wurzelgrund, seinen Ruheplatz kennt, zur inneren Ruhe gefunden hat, sie zumindest ab und zu spürt, ausgeglichen ist, kann frei, heiter und froh durchs Leben gehen – auch in schwierigen Zeiten – muss sich nicht unnötig um sein Leben sorgen, sagt Jesus (Mt 6,19-34) denn „Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht“.

 

„Wenn ihr betet, wie es euch das Herz eingibt, dann betet ihr richtig.“ Es gibt kein falsches, zu kleines, zu geringes Gebet, auch Stammeln, hilfloses Schweigen, Schreien und Klagen kann Gebet sein. Auf der anderen Seite auch Singen, Lachen und Tanzen. Jede und jeder von uns kann und darf beten, mit Gott sprechen, einfach vor Gott da sein. Gebet ist das Atemholen der Seele. Alles hat Platz, weil Gott sowieso in den letzten Winkel des Herzens sieht, den Mensch besser kennt und mehr liebt, als wir selbst es können.

 

Abschließend zitiert Schwester Judith ein Bildwort von Mutter Alfons Maria: „Ein gut bearbeiteter Garten, dessen Erde gut und dessen Lage günstig ist, erzeugt prächtige Früchte. Dieser Garten seid ihr.“ Aufbrechen, graben, umspaten… Einen Traum, einen Plan angehen, sich den Risiken stellen, Hilfen anwenden, Hindernisse überwinden. Den Plan Gottes darin erkennen und bejahen, durch Leben und Handeln zu seiner Verwirklichung beitragen.

 

Schwester Judith fordert die Anwesenden zum Abschluss auf: „Werden und bleiben wir gut bearbeiteter und damit fruchtbringender Garten, wie Mutter Alfons Maria es anregt und wie Papst Johannes XXIII uns mitgibt: „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen blühenden Garten voller Leben zu pflegen.“

 

Fruchtbar werden in der Weisung Jesu: „Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein. Wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht“  (Joh 12, 24)

 

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