Fastenpredigt am Palmsonntag 2015

Eine Fastenpredigt der ausgefallenen Art hielt am vergangenen Sonntag Pater Georg von den Franziskaner Minoriten Oggersheim. Ausgefallen deshalb, weil er den anwesenden Brüdern von Blieskastel, Pater Mateusz, Pater Raffael, Pater Józef und Bruder Jakub sowie rund 40 Gläubigen zunächst einen kurzen Film abspielte.

Der Film handelte von einer Eisenbahnbrücke, die je nach Bedarf herauf- und herabgelassen werden konnte. Der Brückenwärter begab sich mit seinem Sohn zur Brücke, um sie hochfahren zu lassen. Während er die Signale am Schaltpult seines Wärterhäuschens überwachte, bemerkte der Sohn draußen, dass sich ein Zug näherte, die Brücke aber oben war. Da höchste Gefahr drohte, versuchte der Junge, das schlimmste zu verhindern und sich gegen das Schaltgetriebe zu stemmen.

Als schließlich auch der Vater die Gefahr erkannte, wurde er vor eine grausame Entscheidung gestellt: Entweder er opferte das Leben von über einhundert Zuginsassen oder das seines Sohnes. Er zögerte kurz und ließ die Brücke herunter. Sein Kind wurde im Getriebe zerquetscht. Jede Rettung kam zu spät. Sein Sohn starb in seinen Armen.

Auch vor 2000 Jahren habe ein Vater seinen einzigen Sohn geopfert, fuhr Pater Georg fort, damit durch seinen Tod viele gerettet werden. Und diese Tatsache, dass GOTT bereit war, für uns sündige Menschen seinen einzigen Sohn zu opfern, habe den heiligen Franziskus seit seiner Bekehrung nicht mehr losgelassen.

Als Sohn einer reichen Kaufmannsfamilie geboren, wuchs er in wohlhabenden Verhältnissen auf. Es fehlte ihm eigentlich nur noch der Ruhm. Die beste Möglichkeit, Ruhm zu erlangen, war damals, dass man in den Krieg zog. Doch kam Franziskus nicht ruhmreich zurück, sondern als Schatten seiner selbst. Die Eltern brauchten fast zwei Jahre, um ihn wieder aufzubauen.

P. Gregor_1

Eines Tages begegnete Franziskus einem Aussätzigen. In diesem Aussätzigen, dem er helfen wollte, erkannte er JESUS, eine Begegnung, die sein Leben veränderte. Er verspürte in sich den Auftrag: „Bau meine Kirche wieder auf“ und bezog diese Aufforderung zunächst nur auf das kleine Kirchlein San Damiano. Erst später erkannte Franziskus seine Bestimmung, die Kirche Christi wieder aufzubauen.

Er führte ein Leben nach dem Evangelium Christi und wünschte sich nichts sehnlicher als dem armen Christus immer ähnlicher zu werden. Er führte ein Leben in äußerster Armut und Entsagung, was schließlich auch zum Bruch mit seinem Vater führte. Seinen Mitbrüdern legte er ebenfalls diese Lebenshaltung ans Herz. Fasten um JESU willen, arm sein um JESU willen – so bilden Armut, Keuschheit und Gehorsam die drei entscheidenden Säulen für die Franziskaner.

Franziskus, der selbst bettelarm war, ertrug es nicht, wenn er einen noch Ärmeren sah. Er gab alles, was er besaß, um den anderen zu helfen. Diese Denkweise begeisterte viele Menschen der damaligen Zeit. Neben dem sogenannten ersten Orden, dem Männerorden, gründete die Heilige Klara von Assisi vom Gedankengut des heiligen Franziskus inspiriert, einen Frauenorden. Franziskanisches Leben findet heute im ersten, (Männerorden), zweiten (Frauenorden) und dritten Orden (Laienorden) statt. Franziskus starb bettelarm im Kreise seiner Brüder.

Pater Georg lud die Gläubigen zum Abschluss zu einem Gebet ein, das zwar irrtümlich dem heiligen Franziskus zugeschrieben wird, das aber mit Sicherheit in dessen Sinne verfasst wurde und die Franziskanische Spiritualität widerspiegelt.

So betete die ganze Gemeinde zum Abschluss:

 

HERR, mach mich zu einem Werkzeug DEINES  Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst,

dass ich verzeihe, wo man beleidigt,

das ich verbinde, wo Streit ist,

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist,

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht,

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert,

dass ich Freude bringe, wo Kummer wohnt,

 

HERR, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste,

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe,

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

 

Denn wer sich hingibt, der empfängt,

wer sich selbst vergisst, der findet,

wer verzeiht, dem wird verziehen

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben,

 

AMEN

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