Fastenpredigt in der Vesper am 24. Februar 2013

Vesper mit Predigt bzw. Glaubenszeugnis in der Wallfahrtskirche Blieskastel zum Thema: Jahr des Glaubens – 50 Jahre II. Vatikanum

 Dipl.–Theol., Dipl.-Päd. Frau Rita Höfer .

Rita Höfer

Sehr geehrte Damen und Herren, Liebe Schwestern und Brüder,
liebe Patres, sehr geehrter Pater Piotr!

Mein Name ist Rita Höfer und ich bin Referentin in der Frauen-, Männer- und Familienseelsorge im Bischöflichen Ordinariat in Speyer tätig, ich bin Diplom-Theologin und Diplom-Pädagogin.

Ich bin noch 49 Jahre alt – verheiratet – und lebe in Mainz.

Seit 1992 arbeite ich im Bistum Speyer zuerst als sog. Jugendpflegerin in der Kath. Jugendzentrale im Dekanat Kusel und seit 2000 im Referat Frauen und im Referat Ehe und Familie.

Von 2000 bis 2010 war ich Geistliche Leiterin der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands im Diözesanverband Speyer gemeinsam mit dem damaligen Präses Pfarrer Josef Steiger, die erste sog. „Geistliche Leiterin im Verband“.

Ich denke hier liegt für mich ein guter Ansatzpunkt für den heutigen Tag und ich werde ihnen auch etwas aus meiner Biografie erzählen.

Vor einigen Wochen rief mich Pater Piotr an und fragte mich für die Fastenpredigtreihe im Kloster Blieskastel an zum Thema „Was hat das II. Vatikanische Konzil für die Frauen gebracht?“.

Ich möchte mich für diese Einladung zuerst herzlich bedanken.

Ich habe jetzt innerhalb meiner Vorbereitung auf diesen Nachmittag auf der Internetseite des Klosters nachgelesen und festgestellt, dass zu dieser Predigtreihe „Persönlichkeiten zu Wort“ kommen, „die das Konzil bewusst miterlebt haben“ und „Sie berichten von dessen Einfluss auf ihr Leben und ihren Glauben“.

Wie Sie schon gemerkt haben – Hier muss ich Sie leider enttäuschen.

Als das II. Vatikanische Konzil am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde, war ich noch nicht geboren und als das Konzil am 8. Dezember 1965 schloss, war ich gerade mal zweieinhalb Jahre alt. Also „bewusst miterlebt“ habe ich das Konzil nicht.

Aber zum Thema „Glauben in der Welt von heute nach dem zweiten Vatikanischen Konzil“ und den Auswirkungen des Konzils auf mein Leben – dazu kann ich ihnen etwas erzählen.

Was ich erlebt habe.

Schon als Schülerin – 70er Jahre -hat mich unserer damaliger Kaplan bzw. Pfarrer angesprochen und ich habe als Lektorin Sonntags und in der Regel Mittwochs die Lesung und /oder die Fürbitten vorgetragen – das war einfach so.

Es gab eine kleine Schola mit der unser Kaplan Lieder eingeübt hat – Neue Geistliche Lieder – „wie Gras und Ufer“…

Ich habe mich 1982 entschieden, katholische Theologie zu studieren, weil ich über das bisher erlebte einen positiven Zugang zur Kirche hatte – wurde allerdings nicht vom damaligen Ansprechpartner im Bistum Fulda, aus dem ich ursprünglich komme, ermutigt. Ganz im Gegenteil – ich solle doch etwas anderes suchen, wo ich auch eine Chance hätte, eine berufliche Zukunft zu haben. – Das hat mich nicht entmutigt. Aber –

In dieser Zeit wurden in meiner Heimatpfarrei, Mädchen als Messdienerinnen eingeführt –

Eine kleine Geschichte dazu: die Jungs – einschließlich meiner drei Brüder nahmen das zum Anlass zu streiken – ich war als kleine Streikbrecherin dabei und sammelte die Kollekte ein.

Ich habe dann – in Mainz studiert – ein Jahr in der katholischen Erwachsenenbildung mitgearbeitet und die Stellensituation sah sehr schlecht aus – Arbeitslosigkeit drohte – dann kam die Möglichkeit im Bistum Speyer – den Rest habe ich oben angedeutet.

Natürlich habe ich im Vorfeld auch einige Frauen gefragt, was ihnen zum II. Vatikanischen Konzile“ einfällt.

Spontane Reaktionen

Mit dem II. Vatikanischen Konzil war eine „Hoffnung“ verbunden. „Ich erinnere mich an Aufbruch, Hoffnung und große Erwartungen, die man als junger Mensch ganz besonders spürt“, so Monika Beck „Dankbar bin ich, dass ich die damalige Zeit des Aufbruchs erleben durfte, die meinen Glauben und meine Kirchenzugehörigkeit bis heute prägt.“ (1943, Frauenbundsfrau)

„Alle waren sicher, dass das Zölibat fällt.“

Durch die Ordensschwestern im Ort war ich früh als Lektorin schon tätig – das war eine Entwicklung bereits Ende der 50ziger Jahre hier.

Am augenfälligsten war. Der Altar in der Mitte und der Priester spricht zum Volk.

Die deutsche Sprache in der Liturgie, die Abschaffung von Kommunionbänken und später Einführung der Handkommunion.

Einige Frauen erzählen, dass keine Frau den Altarraum betreten durfte.

Das II. vatikanische Konzil hat die Eigenverantwortung von Laien gestärkt und sie in die Verantwortung genommen in den Räten, die sich entwickelt haben.

Die Ökumene entwickelte sich.

Jetzt werden Laien in den Grunddiensten fortgebildet und gesendet.

–          Diese kleine Liste von ganz spontanen Äußerungen zeigt, es hat sich für die Frauen seit dem Vatikanum einiges verändert.

–          Zeitzeuginnen berichten von der gewaltigen Aufbruchstimmung in der Kirche vor 50 Jahren.

Aber – es gibt Enttäuschungen.

War das II. vatikanische Konzil ein Konzil – der Frauen – mit Frauen?

Nein.

1. Generalversammlung

2540 Konzilsmitglieder – alles Männer – zogen in die Konzilshalle ein in der 1. Session (11. Okt – 7. Dez 1962)

2. Generalversammlung

In der 2. Session (29. Sept. – 4. Dez. 1963) gab es eine Neuerungen – es gab 12 Laien (Männer) als Auditoren – Hörende Beobachter

Aber.

Die Dokumente beschreiben die Vision einer Kirche als Volk Gottes, als Gemeinschaft aller Glaubenden .

Die Dokumente beschreiben die Vision einer Kirche als Volk Gottes, als Gemeinschaft aller Glaubenden .

Johannes XXIII. hat in seiner Enzyklika „pacem in terris“ 1963, die Frauenfrage als ein Zeichen der Zeit benannt.

50 Jahre später nach dieser Bestimmung hat dieses Zeichen der Zeit nicht an Bedeutung und Brisanz verloren.

In weiten Teilen von Gesellschaft und Kirche steht die Überwindung von Patriarchalismus und Paternalismus nach wie vor aus.

Erste Schritte erfolgten damals vor 50 jahren.

Margit Eckholt.

Es war zwar „kein Konzil der Frauen oder über die Frauen, aber es war zum ersten Mal auf einem Konzil  von den Frauen die Rede.

Wichtige Dokumente dazu – nenne ich

–          das Dekret über das Apostolat der Laien

–          im Dekret über die christliche Erziehung

–          und die Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“

In diesen Dokumenten ist vom besonderen Auftrag und Dienst der Frauen in Gesellschaft und Kultur die Rede, wiederholt wird die ausgrenzung von Menschen aufgrund von Rasse, Klasse oder Geschlecht kritisiert und die gleiche, in der Gotteskindschaft gründende Würde aller Menschen betont.

Dass auch im Besonderen von den Frauen die Rede ist, ist sicher ihrer „Sichtbarkeit“ und „Präsenz“ auf dem Konzil zu verdanken.

–          Frauenverbände und Organisationen haben im Vorfeld Eingaben an die vorbereitenden Kommissionen gemacht

–          Frauen waren als Gäste und Auditorinenn präsent. Zum ersten Mal auf einem Konzil der Moderne!

–          Die zwei deutschen Frauenverbände kfd und KDFB haben in ihren Verbandszeitschriften regelmäßig über die Entwicklungen auf dem Konzil informiert.

 

Auch wenn der faktische Einfluss der Frauen auf dem Konzil gering gewesen ist, so hat das Konzil für die Katholikinnen große Bedeutung gehabt – siehe die Äußereungen.

Die Frauen selbst haben  es auf den vielen Wegen ihrer Rezeption – auf der Ebene der Pastoral, der Verbandsarbeit oder der Theologie – zu einem „Konzil der Frauen“ werden lassen – und durch das Wiederlesen der Konzilstexte können sie auch heute dazu beitragen.

Joh. XXIII. war Diözesankaplan der katholischen Frauenbewegung im Bistum Bergama. ER ermutigte die Frauen und Männer Neues zu wagen, auch über die Ränder der Kirche hinaus.

Auf der zweiten Generalversammlung wurde von vielen als befremdend wahrgenommen, dass Frauen nicht vertreten waren, wo sie doch, so Kardinal Suenes in einm seiner Beiträge, „Wenn mich nicht alles täuscht, die Hälfte der Menschheit ausmachen.“

Zitat Interview Kardinal Suenen 24.10.1964

Also der neue Geist wehte:

Frauen wurden in die Beratungen einbezogen, sie begannen, Theologie zu studieren.

In der 3. Session (14. Sept. – 21. Nov 64) gab es zum ersten Mal weibliche Auditoren, zumeist Ordensfrauen.

Paul VI. ernannte am 20.09.1964 acht Ordensfrauen und sieben als Präsidentinnen von katholischen Organisationen tätige – alleinstehende oder verwitwete  – Frauen zu „Auditorinnen“

Die erste war eine Französin Marie Louise Monnet, Schwester des franz. Vordenkers und Vorkämpfers für Europa, Jean Monnet und Gründerin sowie Präsidentin der Internationalen Bewegung für das Apostolat in unabhängigen sozialen Milieus.

Ihr folgte die Spanierin Maria Pilar Bellosillo, Präsidentin der Weltunion der katholischen Frauenorganisationen sowie die Australierin Rosemary Goldie, Exekutivsekretärin des Ständigen Komitees für Internationale Kongresse des Laienapostolats. Letztere wurde 1967 von Paul VI. als erste Frau in einen Leitungsposten als Untersekretärin des Päpstlichen Rates für die Laien im Vatikan berufen.

In der vierten Sitzungsperiode kam eine Deutsche Frau dazu – die Präsidentin des KDFB, Dr. Gertrud Ehrle und dann auch eine verheiratete Frau die Mexikanerin Luz-Marie Alvarez-Icaza gemeinsam mit ihrem Mann.

Die Frauen hatten kein Rederecht – wurden aber als „Periti“ behandelt.  (entspr. Rahner und Ratzinger – Zitat Gössmann (S. 273) Nach…

Das Bewusstsein für die Frauenfrage – gewachsen beim Konzil, wurde in der Nachkonzilszeit der Theologie und Priesterausbildung jedoch nicht weiterentwickelt. (Heute im Dialogprozess ist das anders. S. 273)

Und in den vergangenen Jahren bin ich selbst immer wieder von den Auswirkungen betroffen worden – am Anfang für mich sehr unbewusst – weil das, was ich erlebt habe für mich ganz selbstverständlich war. Erst die intensivere Auseinandersetzung in den Jahren meines Studiums und Arbeitslebens zeigt mir immer mehr – das ist gar nicht so selbstverständlich – da mussten viele Dinge geschehen – und heute merke ich – da sind auch viele Dinge, die noch ausstehen.

Aktuelles – aus der vergangenen Woche:

Die Deutsche Bischofskonferenz hat in der vergangenen Woche in Trier ihre Frühjahrsvollversammlung gehabt und hatte dort einen Studientag zum Thema „Die Rolle der Frau in der Kirche“.

Es geht weiter.
Wichtig ist es, dass Frauen in der katholischen Kirche Präsenz zeigen – mit dabei sind –
nicht ausziehen – auch wenn das manchmal in Erwägung gezogen wird.

Das Trotzdem zu leben, aus Liebe und als Antwort auf die Zuwendung Gottes, die wir immer wieder erfahren können in vielen Begegnungen, im Miteinander und auch bei einer solchen Veranstaltung.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Diskusion nach der Predigt

(Diese Predigt liegt uns leider nicht vollständig.) 

 

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