Gedanken zum Tod des heiligen Franziskus

Im Anschluss an den Rosenkranz um 18 Uhr feiern wir „Transitus“, die Todesfeier des  heiligen Franziskus, wurde sonntags in den Eucharistiefeiern bekannt gegeben. „Transitus“, dieses Wort lies mich aufhorchen. Aus meinem Lateinunterricht wusste ich, dass die Übersetzung „Todesfeier“ keine wörtliche Übersetzung war. So schlug ich nach. „Transitus“ bedeutet „Übergang, Durchgang“. Ist das nicht eine viel schönere Art, den Tod zu beschreiben, der für uns Übergang zum ewigen Leben ist?

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„Transitus“ – ich hatte bisher noch nie an einer solchen Feier teilgenommen. Warum nicht einmal der Einladung folgen und die Todesfeier miterleben? So fuhr ich nach Blieskastel, um an der Gedenkfeier für den heiligen Franziskus teilzunehmen. Eine ungewohnte, aber angenehme Atmosphäre empfing mich, als ich die Klosterkirche betrat. Die Kirche war verdunkelt. Da saßen circa 20 Gläubige in den Bänken verteilt. Jeder hatte ein Liedblatt und ein Teelicht. Die Stimmung, die mich umfing, erinnerte mich unwillkürlich an die Osternachtfeier, in der die Gläubigen ebenfalls in der abgedunkelten Kirche nur im Schein der Kerzen Christi Auferstehung feiern.

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Pater Mateusz nahm die Gläubigen mit in die letzten Stunden des heiligen Franziskus. Er zitierte dabei aus dem Großen Franziskusleben nach Bonaventura. Tief ergriffen berichtete er von den letzten Stunden seines Ordensgründers, der im Alter von nur 45 Jahren verstarb. Selbst in seiner Todesstunde galt die Sorge des Heiligen seinen Brüdern. Er hatte die Hände in Kreuzform über die Brust gefaltet und segnete diese, damit sie Versuchungen und Prüfungen bestehen sollten. Die Vögel, denen er mit so viel Liebe und Hingabe gepredigt hatte, flogen in ungewöhnlichen Formationen über seine Todesstätte.

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Nach der Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer, die von Pater Józef vorgetragen wurde,  folgte die ergreifende Predigt von Pater Mateusz, die mit dem Testament des Heiligen Franziskus begann: „Der Herr gab mir, Bruder Franziskus, ein Leben der Buße in folgender Weise zu beginnen. Denn als ich mich noch in Sünden befand, da schien es mir bitter zu sein, die Aussätzigen auch nur anzublicken. Und der Herr führte mich zu ihnen und ich zeigte ihnen Erbarmen. Und als ich sie verließ, da wurde das, was mir zunächst bitter zu sein schien, in Süßigkeit von Seele und Leib verwandelt.“

Seine Predigt auf diesen Anfang des Testaments des Heiligen Franziskus aufbauend, berichtete Pater Mateusz von dessen Bekehrung:  Als reicher junger Mann auf einem Pferd reitend  sieht er einen Aussätzigen. Er wendet sich nicht wie sonst angeekelt ab. Irgendetwas drängt ihn, vom Pferd zu steigen und den Aussätzigen zu küssen. Als er wieder sein Pferd besteigt und sich noch einmal zu dem Aussätzigen umdreht, ist dieser verschwunden. Franziskus erkennt, dass er JESUS geküsst hat, eine Begegnung, die sein Leben verändert.

In allem, was Franziskus tut, versucht er,  diesen göttlichen Kuss an die Geschöpfe weiterzugeben, die er alle als seine Brüder und Schwestern ansieht. Die tiefste Christusverbundenheit findet er in der Liebe zur Seele seines Nächsten. Denn er sagt sich: Ich kann nicht ein Freund CHRISTI sein, wenn ich nicht die Menschen liebe, für die er sein Leben gab. Und eben dieser CHRISTUS lässt dem heiligen Franziskus eine besondere Gnade zuteil werden, in dem er ihm seine Wundmale einbrennt.

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Tiefe Ergriffenheit prägte die Atmosphäre in der Kirche, als die Gläubigen sangen: „Franziskus, arm und niedrig, geht reich zum Himmel ein.“ Das Loblied „Laudato si“, durfte bei der Todesfeier des heiligen Franziskus genauso wenig fehlen wie „Singt vereint mit frohen Chören St. Franziskus Ehr und Lob“ und als ein weiteres Vermächtnis des Heiligen, das den Abschlussakzent setzte, sein weltberühmter „Sonnengesang“.

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Nach der Andacht hatte ich Gelegenheit, mir die schlichte Dekoration des Chorraumes näher zu betrachten, ein einfacher, unspektakulärer Kirchenschmuck, dem Anlass angemessen. Vorm Altar lag ein einfacher Habit mit weißem Zingulum, das bei jedem Franziskaner 3 Knoten enthält: Sie symbolisieren die Gelübde, die die Brüder in Gedenken an ihren Ordensgründer ablegen: „Keuschheit, Armut und Gehorsam“. Auf dem Habit standen fünf größere Teelichter, die die Wundmale symbolisieren sollten, die JESUS selbst dem heiligen Franziskus eingebrannt hat.

Die Todesfeier für den Heiligen Franziskus – ein ergreifendes Erlebnis, das mir durch das Vorlesen der schriftlich fixierten Zeugenaussagen einen Menschen näher gebracht hat, der schon fast 800 Jahre tot ist. Ich durfte einen Menschen kennenlernen, der ein von GOTT erfülltes, begnadetes Leben führen durfte und ein Vorbild für uns alle – nicht nur für seine Brüder – sein sollte.

Andrea Weinmann

Gersheim

 

 

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