Impuls zum 1. Fastensonntag

Der zweite Schmerz Mariens: Die Flucht nach Ägypten

 

Bald nach der Geburt unseres Heilands ergeht an Josef in einem Traum die Aufforderung, nach Ägypten zu fliehen. Herodes, der irdische Machthaber,  trachtet Jesus nach dem Leben, weil er die Herrschaft Gottes auf Erden falsch versteht. Jesus wird über seine Herrschaft als Wanderprediger später sagen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Doch Herodes fürchtet, dass  der neu geborene König der Juden sein Königtum gefährden könnte und lässt alle erstgeborenen Söhne Bethlehems bis zum Alter von 2 Jahren töten.

Flucht nach Egipten

Dank der Warnung des Engels machen sich Maria und Josef rechtzeitig auf den Weg nach Ägypten, ein beschwerlicher Weg, für Mutter und Kind sicherlich eine große Belastung. Aber es hilft nichts: Wenn sie Jesu Leben retten wollen, müssen Maria und Josef dem Ratschluss des Engels folgen. Gottes Wege sind oftmals unergründlich und für uns Menschen nicht zu verstehen. Gottes Willen zu erfüllen, auch wenn man ihn oftmals nicht versteht, darin ist uns die Heilige Familie Vorbild.

Eine Familie auf der Flucht – Das Thema ist heute genauso aktuell wie damals. Wenn wir die Krisenherde auf der Welt betrachten – Kriege, Aufstände, Verfolgung aus Glaubensgründen, wohin man blickt – sollten wir immer auch an die absolut unschuldigen Opfer denken: Zivilisten, Frauen und Kinder, die vor den militärischen Angriffen flüchten müssen. Maria und Josef teilten vor rund 2000 Jahren das Schicksal der vielen Flüchtlinge und Vertriebenen von heute.

Es ist an uns Christen, dafür zu sorgen, dass den unschuldigen Opfern geholfen wird. Jesus fordert uns immer wieder zur Nächstenliebe auf: „Was ihr den Geringsten eurer Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Oder „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Die Erfüllung der menschlichen Grundbedürfnisse – gerade bei Opfern von Gewalt und Verfolgung – sollten uns Christen in der Nachfolge Jesu eine heilige Pflicht sein.

Auch Maria und Josef müssen in der Ferne bleiben. Ihre Heimat sehen sie erst Jahre später, nach dem Tod des Herodes, wieder. Welche Nöte die heilige Familie im Exil ausgestanden haben mag, darüber schweigt sich die Bibel aus. Wenn wir diesen zweiten Schmerz Mariens – die Flucht nach Ägypten – betrachten, sollten wir unsere Herzen weit öffnen für die Vertriebenen und Flüchtlinge unserer Tage.

 

Pater Mateusz Micek

 

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