Impuls zum 2. Fastensonntag

Der dritte Schmerz Mariens: JESUS geht im Tempel verloren

 

Im zweiten Schmerz Mariens habe ich schon aufgezeigt, dass die Heilige Familie uns Vorbild im Gehorsam gegenüber dem Willen GOTTES ist. Ein weiteres Mal zeigt sich dieser Gehorsam in der Pilgerreise nach Jerusalem. Diese ist durch das Gesetz des Mose vorgeschrieben. Maria und Josef halten sich an diese Glaubensvorgabe und begeben sich auf Pilgerreise nach Jerusalem, als JESUS zwölf Jahre alt ist.

Für den heranwachsenden JESUS ist dies bestimmt ein aufregendes Erlebnis. ER ist auf dem Land aufgewachsen – und seine Eltern nehmen ihn mit in eine große Stadt mit einem großen Tempel, mit einer großen Einwohnerzahl und mit vielen Pilgern, die ebenso wie die Heilige Familie das Gesetz des Mose erfüllen und nach Jerusalem reisen wollen.

Jesus im Tempel verloren

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf der Heimreise vermisst Maria plötzlich ihren Sohn, den sie zunächst bei Josef oder bei einem ihrer Verwandten oder Freunde wähnt. Der Schreck fährt ihr in alle Glieder, als sie feststellen muss, dass JESUS unauffindbar ist. Nach langer erfolgloser Suche kehrt sie zusammen mit Josef nach Jerusalem zurück.

Welch bange Zeit Maria ausgestanden haben mag, können wahrscheinlich nur Eltern ermessen, die selbst schon nach einem Kind suchen mussten. Da kommen Fragen wie: „Geht es meinem Kind gut?“ „Ist ihm vielleicht etwas zugestoßen?“ „Wo mag es sein?“ „Hat es eine Bleibe und etwas zu essen und zu trinken?“ Solche oder ähnliche Fragen mögen auch die GOTTESMUTTER beschäftigt haben.

Wie groß muss die Erleichterung gewesen sein, als sie JESUS wohl behalten im Tempel inmitten der Gelehrten sitzen sieht. Doch kann sie ihm einen Vorwurf nicht ersparen: „Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht.“ Zum ersten Mal bezeugt die Bibel, dass MARIA und JESUS unterschiedlicher Meinung sind, denn JESUS antwortet ihr: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ (Lk 2, 50)

Meinungsverschiedenheiten – so lehrt uns die Bibel – kommen in den besten Familien, sogar in der Heiligen Familie, vor. Wichtig ist, wie wir damit umgehen. In der Heiligen Familie wird das Problem direkt angesprochen, nicht totgeschwiegen. JESUS kehrt mit seinen Eltern heim und ist ihnen fortan gehorsam.

Gleichwohl wird Maria mit diesem Schmerz auf einen weiteren – viel schlimmeren Schmerz – vorbereitet. Sie lernt dadurch, mit einem Verlust umzugehen. MARIA muss einige Jahre später wieder um das Liebste bangen, was sie hat und es schließlich hergeben: Ihren Sohn, der schmachvoll am Kreuz stirbt. Aber sie läuft nicht weg. Sie bleibt bei ihm bis zum Schluss. Sie begleitet IHN auf dem Kreuzweg, steht unterm Kreuz und geleitet ihn zu seinem Grab. Sie geht SEINEN Weg mit von der Geburt bis zum Tod.

Somit ist MARIA uns Vorbild in vielerlei Hinsicht: Sie ist ergeben in den Willen GOTTES. Sie zeigt uns, dass man vor Kreuz und Schmerz nicht wegläuft. Sie gibt uns ein Beispiel, wie man mit Problemen umgeht. Sie ist uns Vorbild im geduldigen Warten und Ausharren. Nicht zuletzt ist sie durch IHR Leid und IHRE Schmerzen zum Vorbild und zum Trost für leidende Menschen auf der ganzen Welt geworden, die SIE vertrauensvoll bitten: „Hilf, Maria, es ist Zeit, hilf Mutter der Barmherzigkeit“.

 

Pater Mateusz Micek

 

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