Impuls zum Karfreitag

Die Liturgie des Karfreitags ist die bewegende Kontemplation des Geheimnisses des Kreuzes. Sie ruft jeden Gläubigen nicht nur zur Betrachtung des Kreuzes, sondern auch zum Erleben des schmerzhaften Leidens CHRISTI auf. Die beiden großen Texte des heutigen Wortgottesdienstes sprechen davon. Der erste ist die Prophezeiung, die Jesaja zugeschrieben wird (Jes 52,13;53,12). Der zweite beinhaltet die historische Beschreibung des Evangelisten Johannes (Joh 18,1-19, 42).

Golgotha in der Grabkirche

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grabskirche – Golgotha

Zwischen diesen Texten liegt eine Zeitspanne von über 7 Jahrhunderten. Die Übereinstimmung der Fakten ist ergreifend. Der Prophet Jesaja beschreibt das Leiden des GOTTESKNECHTES. Der Evangelist verfasst den Bericht über den letzten Tag JESU auf der Erde.
Jesaja schreibt: „Viele haben sich über IHN entsetzt, so entstellt sah ER aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen…ER wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mensch voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut.“(Jes 52,13; 53,3) Johannes und die anderen Evangelisten erzählen, dass JESUS ausgeliefert, verachtet, geohrfeigt, mit den Dornen gekrönt, verspottet, zum Gespött gemacht, verurteilt und gekreuzigt wurde.
Der Prophet weist auf die Ursache dieses großen Leidens hin: „Doch ER wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt.“ Er verdeutlicht auch den Sinn des Leidens CHRISTI, der für uns die Schuld getragen hat: „Zu unserem Heil lag die Strafe auf IHM, durch SEINE Wunden sind wir geheilt.“(Jes 53, 5) Es mangelt auch nicht an Ablehnung: „Wir meinten, ER sei von GOTT geschlagen, von IHM getroffen und gebeugt.“(Jes 53,4)
Dann hören wir JESUS rufen: „GOTT, mein GOTT, warum hast du mich verlassen?“ (Mt27, 46) Der GOTTESKNECHT opfert sich freiwillig, „der SEIN Leben als Sühneopfer hingab.“ (Jes 53, 10) CHRISTUS liefert sich den Soldaten freiwillig aus. ER lässt sich freiwillig zum Tod führen und sagt: „Niemand entreißt MEIN Leben mir, sondern ICH gebe es aus freiem Willen hin.“(Joh 10,18) Hierin ist die Freiwilligkeit des Opfers ersichtlich.
Der Prophet Jesaja sagt sogar das Ende des freiwilligen Leidens voraus: „Nachdem ER so vieles ertrug, erblickt ER das Licht…Deswegen gebe ich IHM meinen Anteil unter den Großen…, weil ER sein Leben dem Tod preisgab.“(Jes 53, 11-12) JESUS sagt, als er sich an sein Leiden erinnert: „Und ICH, wenn ICH über die Erde erhöht bin, werde alle zu MIR ziehen.“(Joh 12,32)
Das alles weist darauf hin, dass das Kreuz CHRISTI der Kern der Heilsgeschichte ist, die schon im Alten Testament durch die Beschreibung des leidenden GOTTESKNECHTES vorausgesagt wurde. Diesen Weg sollte jeder Gläubige gehen, um erlöst zu werden und mit dem HEILAND am Aufbau des Reiches GOTTES mitzuwirken.
In der Karfreitagsliturgie zwischen der Lesung nach Jesaja und dem Evangelium nach Johannes schreibt Paulus in seinem Brief an die Hebräer: „Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht mitfühlen könnte mit unserer Schwäche, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung geführt worden ist, aber nicht gesündigt hat.“ (Hebr 4, 15) Das erkennt man im Leben JESU vor allem an SEINER Leidensgeschichte, bei der ER alle Beschwerden, Leiden, Traurigkeiten, Schwächen der menschlichen Natur verspürte. Auf dieser Weise ist ER Hohepriester und Opfer zugleich.
JESUS betet im Garten Getsemani: „ABBA, VATER, alles ist DIR möglich. Nimm diesen Kelch von MIR! Aber nicht, was ICH will, sondern was DU willst (soll geschehen).“(Mk 14, 36) Aus diesem Gehorsam zum Wille des VATERS gibt sich JESUS dem Tod hin. Als ER die Bitterkeit des Todes kostet, wird ER durch die Auferstehung befreit und „für alle, die IHM gehorchen, der URHEBER des ewigen Heils“.(Hebr 5, 9) CHRISTUS gehorsam zu sein, heißt SEIN Kreuz anzunehmen und auf den Willens des VATERS zu hören: „VATER, IN DEINE HÄNDE LEGE ICH MEINEN GEIST.“(Lk 23,46)
Im Augenblick des Todes wird JESUS gepriesen. Der Hauptmann ruft aus: „Das war wirklich ein gerechter Mensch. Und alle, die zu diesem Schauspiel herbeigeströmt waren und sahen, was sich ereignet hatte, schlugen sich an die Brust…“(Lk 23, 47-48) Die Kirche tut das gleiche, wenn sie den Tod CHRISTI beweint und den gekreuzigten HERRN in der Verehrung des Kreuzes anbetet: „Dein Kreuz, o HERR, verehren wir, und DEINE heilige Auferstehung preisen und rühmen wir: Denn siehe, durch das Holz des Kreuzes kam Freude in die Welt.“ (Messbuch Kreuzverehrung)
Auch die Karfreitagsliturgie lädt uns zur Stärkung mit der Eucharistie ein, in der die Wirklichkeit des Gedächtnisses des Todes CHRISTI heute besonders strahlt. Im Herzen erschallt das Wort des HERRN: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19) und auch das Wort des hl. Paulus: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des HERRN, bis ER kommt.“(1 Kor 11,26)
Pater Mateusz

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