Impuls zum Palmsonntag – Jesus als Sträfling

PalmsonntagBeim Evangelisten Matthäus finden wir in der heutigen Liturgie einen chronologischen Ablauf des letzten Weges JESU. Matthäus berichtet ausführlich über die Ereignisse der letzten Tage vor JESU Kreuzigung. Die beschriebenen Orte sind allen Christen wohl bekannt:  der Abendmahlsaal, der Ölberg, der Garten Gethsemane, der Palast des Hohenpriesters Kaiphas und des Hohen Rates, das römische Prätorium von Pontius Pilatus, der Kreuzweg, der Kalvarienberg und zuletzt die Grabstätte JESU.

So unterschiedlich die Orte auch sein mögen, so verschieden sind die damit verbundenen Erzählungen und menschlichen Verhaltensweisen. Die Ereignisse, die in Matthäus 26 und 27 beschrieben werden, rufen in uns Bilder hervor, die vom friedvollen gemeinsamen Abendmahl, über Verrat, Verhör, Folterung Kreuzweg bis hin zum schmachvollen Kreuzestod den Zuhörer in ständiger Spannung halten. Und doch endet dieser schändliche Tod mit dem größten Geschenk der Menschheitsgeschichte: der Erlösung und Rettung der Welt.

Betrachten wir die liturgischen Texte genauer. Sie schildern uns Gegensätze, wie sie größer nicht sein könnten. Der unschuldige JESUS wird verurteilt, der schuldige Barabbas wird freigelassen. JESUS, der oberste Richter der Welt verhält sich ruhig und demütig gegenüber verschiedenen irdischen Gerichten und Richtern. Ja, ER lässt sich aus Gehorsam gegenüber dem Willen des VATERS von diesen sogar zum Tod am Kreuz verurteilen. Simon war nicht von sich aus bereit, JESUS beim Kreuztragen zu helfen. Er wird vielmehr dazu gezwungen.

All das erinnert uns daran, wie viele paradoxe Situationen es auch in unserem Leben gibt: Unschuldige müssen leiden. Trotz ihrer schlimmen Lebenserfahrungen werden sie zusätzlich weiter belastet. Wie schwer fällt oft das Tragen des Kreuzes. Deshalb versuchen viele, sich davon zu lösen. Das Leben soll leicht, schön und angenehm für sie sein. Für sie ist es schon schwierig, die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen, ganz zu schweigen von der Verantwortung für andere Menschen und für die Welt.

Palmzweige in der Hand

Im heutigen Evangelium sehen wir, dass  JESUS das Gewicht des Kreuzes zu Unrecht tragen muss. Der Hass des Hohen Rates rund um Kaiphas führt zu falschen Zeugenaussagen gegen JESUS,  um IHN los zu werden. Pilatus ist von dem Wunsch beseelt, ein guter Imperator zu sein und will dies den Mitgliedern des Hohen Rates unter Beweis stellen. Die Folge ist das ungerechte Urteil gegen JESUS. Selbst seine Frau warnt Pilatus erfolglos davor, das Urteil zu vollstrecken.

JESUS trägt das schwere Kreuz zu Unrecht. Doch ER nimmt die Last auf sich: den Hass der Führer Israels, den Meineid der falschen Zeugen, die falsche, geradezu heuchlerische,  Höflichkeit des Pilatus und die gegen ihn aufgehetzte Menge. ER akzeptiert sogar deren Forderung: “Ans Kreuz mit ihm!” Wie oft in unserem Leben treffen wir auf ähnliches Verhalten unserer Mitmenschen uns gegenüber. Ist unsere Reaktion dann die gleiche wie die von JESUS?

JESUS hat auf dem letzten Weg des irdischen Lebens diese Herausforderungen angenommen. ER nimmt die große Menge schlechten menschlichen Verhaltens in Kauf. Doch wir sind bei  einzelnen Ereignissen oft nicht in der Lage, das Kreuz anzunehmen. JESUS ist sich dessen bewusst, dass es für uns sehr schwierig ist, das Unrecht der anderen zu akzeptieren. Durch SEIN unsagbar großes Leiden zeigt er jedoch uns allen, dass es möglich ist, auf diese Art zu leben.

Wenn wir selbst Unrecht erfahren oder ungerechtes Urteil hinnehmen müssen, sollten wir uns immer vor Augen halten, wie JESUS mit diesem Problem umgegangen ist. Die bevorstehende Karwoche lädt uns alle dazu ein, uns neu auf das Kreuz zu besinnen.

Prozession mit den Palmen

Pater Mateusz

 

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