Klosterpark

Marienbrunnen im Park

Das Gelände zwischen Parkplatz und Kapelle wurde zu Wallfahrtsanlagen umgestaltet, die vorzüglich gepflegt sind und die Abhaltung von Sakraments- und Lichtprozessionen ermöglichen. Der einheimische Bildhauer Karl Riemann schuf, um die Ankommenden in den Geist der Wallfahrt einzustimmen, eine Reihe von Gruppen-Darstellungen.

Bruder Klause

Beim Eingang rechts: die Brudermannsklause mit Einsiedler, Bildeiche und Pfeilschützen.

Bruder Konrad

Daneben: Bruder-Konrad-Brunnen mit Heiligengestalt, zu Füßen ein Bergmann und eine Bäuerin.

Votivkreuz

Im Schnittpunkt der Wallfahrtswege: Ecce-homo-Monument.

Berg Alverna

Links gegen das Raintal zu: „Franziskus empfängt die Wundmale“ und „Franziskus predigt den Tieren“.

Franziskus mit den Tieren

Herz-Jesu-Figur

Neben der Wallfahrtskirche Herz-Jesu-Standbild.

1977 begann Herr Arno Salm, als Leiter der Stadtgärtnerei, mit der Planung und Umgestaltung der Klosteranlage. Geprägt durch das Kloster sollte die neue Gartenanlage soziale Bedürfnisse der Besucher wie: Rückzug, Regeneration, Erholung, Kontakt, Kommunikation, Anregung, Schönheit, Neues zu sehen und zu erleben, bieten.
Die vorhandene Parkfläche wirkte durch die vielen kleinen und kaum begehbaren Wegen zerschnitten. Das vorhandene monumentale Kreuz, betont durch dicken Betonstufen, wirkte in der Parkanlage wie ein Fremdkörper. Blumen und Stauden konnten sich durch den dichten Strauchbewuchs nicht entfalten. Die ganze Parkanlage wirkte auf die Besucher langweilig und eintönig.
Die heutige Raumbildung und der Charakter der Parkanlage wurde durch eine differenzierte Wegführung, unter Berücksichtigung der Prozessionswege und möglichst geringem Pflegeaufwand herausgearbeitet. Sie stehen im klaren Kontrast zu den sakralen Einbauten und tragen entscheidend zu dem Charakter der Parkanlage bei. Zur Erreichung einer größtmöglichen Transparenz und entsprechend gefühlter Sicherheit wurde konsequent auf Strauchpflanzungen verzichtet. Punktuell begleiten attraktive Prachtstauden- und Blumen- (Wechsel) Bepflanzungen die Parkwege.
Als lebendiges Element wurde eine Wasseranlage mit Sitzgelegenheiten auf der Sichtachse bzw. Blickpunkt des Kreuzes integriert.

 

 

Infotafel zur Szene “Franziskus predigt den Tieren”

„…, da sie doch mit so großer Ehrfurcht das Wort Gottes anhörten.“

 

Von Franz von Assisi (1181/82-1226), dem Gründer des Franziskaner-Ordens, sind einige Legenden überliefert, zwei davon sind im Park inszeniert, so seine Predigt an die Tiere: Für ihn waren Naturerscheinungen wie Sonne, Mond, Erde, Feuer, Wind und Wasser, Pflanzen und insbesondere Tiere beseelte Kreaturen und ebenso wie die Menschen Geschöpfe Gottes. Bekannt ist seine „Predigt an die Vögel“: „Meine Brüder Vöglein, gar sehr müsst ihr euren Schöpfer loben, der euch mit Federn bekleidet und die Flügel zum Fliegen gegeben hat; die klare Luft wies er euch zu und regiert euch, ohne dass ihr euch zu sorgen braucht.“

Einer weiteren Überlieferung zufolge versöhnte Franz von Assisi die Stadt Gubbio mit dem Wolf, der deren Bewohnern Angst einjagte.

In der Inszenierung im Park werden beide Legenden miteinander verknüpft. Franz von Assisi predigt den Vögeln, dem Wolf und seinen Beutetieren, dem Reh wie auch den Hasen.

Ihm sind wie die Menschen alle Tiere Geschöpfe Gottes: „Ihr Brüder und Schwestern Tiere“. Sie spiegeln die Vielfalt göttlicher Schöpfung wider und tragen das Geheimnis göttlicher Gegenwart in sich: „Voll Eifer predigt dem Schöpfer.“ Franz von Assisi wurde wegen seiner Achtung und Schonung der Tiere und Pflanzen zum spirituellen Vorbild moderner ökologischer Bewegungen.

 

© Bernhardt Becker

 

Infotafel zum Brunnen im Park

 

„Durch Schaffung schöner Naturanlagen ist das Wallfahrtskloster bestrebt, den Besuchern alles zu bieten.“

 

In den Jahren 1933/34 war nach rund zehn Jahren sukzessiver Bauarbeit die Klosteranlage vollendet. Im Archiv des Klosters hat sich eine Skizze erhalten, welche einen Plan des Parks mit rot markiertem Wegenetz und Plätzen zeigt; leider ist auf ihm weder Planentwerfer noch Datum eingetragen. Vermutlich wurde der Park erst gegen Ende der Bauzeit des Klosters angelegt. Immerhin fand 1933 der erste Bruder-Konrad-Ritt seinen Abschluss am gleichnamigen Brunnen.

Der kleine Park wurde mit einem Zentralplatz und einem teilweise regelmäßigen, teilweise unregelmäßigen Wegenetz angelegt. Interessanterweise wurde in der erwähnten Planskizze mit Pfeilen eine Route vorgegeben, mit der der gesamte Park mit seinen Bäumen, Wiesenflächen und Blumenbeeten erschlossen wird.

Ob schon zeitgleich oder erst nach und nach Skulpturen, Kreuze und Inszenierungen den Park ausstatteten, ist anhand der Unterlagen im Klosterarchiv nicht zu klären. Der taube Blieskasteler Künstler Karl Riemann, kurz vor Kriegsende tragischer Weise erschossen, hat die szenischen Darstellungen geschaffen. 1977 gestaltete Arno Salm, Leiter der Stadtgärtnerei Blieskastel, den Park um, da ihn die Zerstückelung durch die vielen kleinen Wege störte. Er schuf eine neue differenzierte Wegeführung „im klaren Kontrast zu den sakralen Einbauten“. Dabei legte er zentral positioniert einen neuen achteckigen Brunnen in Sichtverbindung zum Kreuz an. Der Park ist ein Hort der Stille und Kontemplation.

 

© Bernhardt Becker

 

Infotafel zur Stigmatisation

„Du bist die Schönheit.“

 

Das Phänomen der fünf Wundmale Jesu bei Menschen wird als Stigmatisation bezeichnet. Bei Franziskus von Assisi, der sich besonders mit dem „leidenden Christus“ identifizierte, traten als Erstem die Kreuzwunden auf: Am 14. September 1224 erschien ihm während einer wochenlangen Fastenzeit auf dem Berg La Verna (Alverna) am Südwesthang des Monte Penna der gekreuzigte Heiland in Gestalt eines Seraphen „von ganz unvorstellbarer Schönheit“.

In der Gottes-Vision des Propheten Jesaja (6,2) wird der Seraph als sechsflügeliger Engel beschrieben, der mit den oberen Flügeln das Gesicht, mit den unteren die Füße bedeckt und mit den mittleren fliegt. Bei der Erscheinung des Seraphen auf dem Alverner Berg erhielt – wie die Szenerie zeigt -, Franz von Assisi die Stigmata.

Er gab die Worte, die ihm der Seraph mitteilte, nicht einmal seinen engsten Gefährten weiter, was zu mancherlei Deutungen und Spekulationen Anlass gab. „Erlösung“ war wohl das zentrale Thema.

Unmittelbar nach seinem Alverna-Erlebnis schrieb Franz von Assisi die „Laudes Dei altissimi“ nieder, in denen er Gott ob seiner Liebe, Wundertätigkeit und Schönheit rühmte.

Auf dem Berg La Verna, der Franz von Assisi und seinem Orden von einem Grafen geschenkt worden war, wurden nach und nach mehrere Kapellen, eine Basilika wie auch ein Kloster errichtet. Um den Felsen der Seraph-Vision wurde 1263 die „Kapelle der heiligen Wundmale“ errichtet.

 

© Bernhardt Becker

 

Infotafel zum Bruder Konrad Brunnen

„Du Vorbild an Glauben und Gottvertrauen … .“

 

Seit 1852 diente Konrad von Parzham (1818-1894) 41 Jahre lang als Pförtner im Kapuziner-Kloster St. Anna in Altötting, dessen Kirche 1953 in Bruder-Konrad-Kirche umbenannt wurde. Er wurde 1930 selig-, vier Jahre später heiliggesprochen. Ihm zu Ehren wurde hier im Park ein ansehnlicher Brunnen mit dem Spruch auf der Sockelplatte „Heiliger Br Konrad bitte f. uns“ aufgestellt. Zu Füßen der Heiligengestalt knien ein Bergmann mit Leuchte und eine Bäuerin mit Kind: Mit der Arbeit in der Landwirtschaft und im Bergbau verdienten sich die meisten Menschen damals im Bliesgau ihren Lebensunterhalt.

Der Todestag von Bruder Konrad, der 21. April, ist für die Kapuziner ein Festtag, der in Blieskastel seit 1933 mit dem „Bruder-Konrad-Ritt“ gewürdigt wurde. In einer Vorankündigung des Klosters aus dem Jahr 1934 heißt es: „Wie im vergangenen Jahr findet auch heuer am Sonntag, den 22. April, der Bruder-Konrad-Ritt statt, wozu alle Pferdebesitzer eingeladen sind. Es handelt sich um eine kirchliche Prozession zu Pferd zu Ehren des großen seligen Patrons der Bauern, unseres deutschen Landsmannes, des Bruders Konrad. Die Reiter sammeln sich bis längstens 3 Uhr auf dem Paradeplatz in Blieskastel. Um 3 Uhr beginnt die Prozession zum hl. Berg. Dort ist die Segnung der Rosse. … Die Pferde können entsprechend geschmückt sein. Ev. könnte auch auf einem Wagen Musik im Zuge mitgenommen werden.“

An Pfingstmontag 1935 wechselte der „Bruder-Konrad-Ritt“ in das Grenzdörfchen Utweiler über.

 

© Bernhardt Becker

 

Infotafel zur Brudermannsklause

„…, ist aus den Wunden Christi und Mariens rosenrotes Blut herausgeflossen.“

 

In der alten Kapelle des Klosters wird eine Pieta, „Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“, innig verehrt, die aus dem Wilhelmitenkloster Gräfinthal stammt. Nach dessen Auflösung 1785/86 wurde sie nach Blieskastel gebracht und 1829 in die Kapelle überführt, wo sie in Vergessenheit geriet. Ihre „Wiederentdeckung“ löste 1913 eine neue Wallfahrtsbewegung aus, die rund 10 Jahre später zur Gründung des Klosters führte.

Über die „Pfeilenmadonna“ wird nach Klostertradition berichtet: In einer Einsiedelei oberhalb Gräfinthals, auf dem „Brudermannsfeld“, verehrte ein Eremit ein Vesperbild an einem Eichenbaum. Dieses überfielen Räuber, wohl marodierende Soldaten, und beschossen die Pieta mit Pfeilen. Als aus den Einschusslöchern Blut floss, ergriffen sie – bis auf einen, der sich bekehrte – die Flucht. Nachdem ein blinder Bettler sich mit diesem Blut seine Augen bestrichen hatte und sehend geworden war, tat ihm die an einer Augenkrankheit leidende Gräfin Elisabeth von Blieskastel dies nach und erhielt ebenfalls ihre Sehkraft wieder. Aus Dankbarkeit stiftete sie der Legende nach 1243 im nahen Tal des Letschenbaches ein Kloster („Gräfinthal“), in das sie Wilhelmiten berief. Das Vesperbild mit den Pfeilen wurde zu seinem Schutz in das Kloster überführt.

Diese Gründungslegende wurde hier im Park szenisch nachgebildet. Auf Initiative von Oberstufenschülern des Saarpfalz-Gymnasiums Homburg, die teilweise selbst Hand anlegten, wurde 2013 diese Brudermannsklause komplett fachgerecht saniert.

 

©           Dr. Bernhard Becker, Saarpfalz-Kreis, Homburg