Fra-Ju-Wa

Wenn einer eine Reise tut, kann er was erzählen

Am Freitagnachmittag brachen wir zur Franziskanischen Jugendwallfahrt nach Walldürn auf. Wir – das waren Mendy, Lea, Matthias und ich. Die Verkehrsnachrichten verrieten nichts Gutes: 16 Kilometer Stau alleine vor Kaiserslautern. Das Navigationsgerät schickte uns mitten durch die Innenstadt zur Hauptverkehrszeit. Die Ortskundigen mieden natürlich die Autobahn, so dass wir nicht wirklich zügig voran kamen. 3 Stunden Fahrt hatten wir eingeplant. 5 Stunden dauerte es alles in allem, obwohl wir nur eine kurze Pause einlegten.

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Um 19.30 Uhr kamen wir an. Nach dem Abendessen begann sofort das bunte Programm. „Fliegen lernen“ lautete das Motto. Es wurde vom Heiligen Josef von Copertino, einem Franziskanermönch, berichtet. Obwohl er von recht einfachem Gemüt war, schaffte er durch Fleiß und Ausdauer die Ablegung der Prüfung, die für der Priesterweihe vorgeschrieben war. Seine Messen waren gekennzeichnet durch inständiges Beten voller Hingabe zu GOTT.

Eines Tages begann er beim Gebet zu schweben. Die Nachricht verbreitete sich in der Gegend, so dass viele Menschen aus purer Sensationslust an den Messen teilnahmen. Diese Tatsache erregte irgendwann den Missmut des Papstes. Er verbot dem Heiligen, die Messen öffentlich zu halten. Die letzten sechs Jahre seines Lebens verbrachte er abgeschottet von der Außenwelt in einer Dreizimmerwohnung seines Klosters, die er nicht mehr verlassen durfte.

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Anschließend lud man uns zur Nacht der Lichter in die Basilika ein. Jeder durfte einen Zettel ausfüllen und seine Wünsche darauf schreiben. Diese Zettel wurden an ein Franziskuskreuz vor den Altar gelegt. Ähnlich wie man es von Luftballonwettbewerben kennt, wurden diese Zettel am Sonntag nach der Messe an gasgefüllte Luftballons gebunden und zum Himmel geschickt. „Damit unsere Wünsche und Sehnsüchte möglichst nah zu GOTT kommen“, lautete der Kommentar von Pater Gregor, dem die Organisation der Jugendwallfahrt in diesem Jahr übertragen war.

Dass die Nächte kurz waren, kann sich jeder vorstellen, der einmal mit Jugendlichen unterwegs war. So war meine Truppe am Samstagmorgen auch etwas verschlafen, als der Wecker uns um 7 Uhr aus dem Schlaf beförderte. Aufgrund von unvorhergesehenem erhöhten Platzbedarf im Mädchenzimmer nächtigten unsere Mädchen kurzerhand bei mir im Betreuerzimmer. Stau im Bad inklusive, was wahrscheinlich auch jeder kennt, der heranwachsende Mädchen hat. So schafften wir es gerade noch pünktlich zur Morgenandacht um 8 Uhr.

Nach dem Frühstück begannen die Workshops, bei denen sich das Walldürer Team richtig viel Arbeit gemacht hatte. Wir wurden in vier Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe durchlief einmal alle Workshops. Da war Basteln ebenso angesagt wie Meditation, Geschicklichkeitsspiel und der Bau eines Domino-Bildes.

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Nach dem Mittagessen fuhren wir in einen Outdoor-Kletterpark. Pünktlich, als wir alle angeschnallt waren und uns das Sicherheitssystem erklärt war, begann es zu regnen. Nun ja, bei schönem Wetter kann schließlich jeder klettern und es gibt ja kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Trotz anfänglicher Bedenken nahm meine gesamte Truppe am Klettern teil und hatte sichtlich Spaß beim Überwinden der Hindernisse, obgleich dem einen oder anderen trotz Sicherheitssystem etwas mulmig in der Magengegend war.

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Teilweise ließ man sich an langen Seilen auf Rollen hinabgleiten, was den Teilnehmern das Gefühl des Fliegenkönnens gab und zum Motto der diesjährigen Fra-Ju-Wa hervorragend passte. Abschließend stärkten wir uns mit Tee, Kaffee und Kuchen.

 

 

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Völlig durchnässt aber glücklich traten wir um 17 Uhr wieder die Rückfahrt nach Walldürn an. Erster Gang – natürlich die Dusche – mit dem bereits schon vorprogrammierten Stau. Wir schafften es aber pünktlich zum Abendessen und zum bunten Abend.

 

 

Viele Spiele erwarteten uns dort. Auf Anregung von Pater Bernhardin musste sich Pater Mateusz dem Saarländischen Alkoholtest unterziehen und fiel – sehr zur Schadenfreude der anderen – glatt durch.

Anschließend sollte ein Begrüßungsspiel stattfinden, das Pater Bernhardin eigens am Nachmittag auf Pfälzisch verfasst hatte. Da die pfälzische Amtssprache aber außer Pater Bernhardin niemand auch nur annähernd fehlerfrei beherrschte, wurde dann doch bald wieder das altbekannte hochdeutsche Lied: Hallo, schön, dass Du da bist, angestimmt.

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Anschließend begannen die Spiele Patres gegen Teilnehmer.

 

 

 

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Wir hatten alle unsere Freude an den umständlichen und wirklich sehenswerten Verrenkungen. Wir lachten, dass uns unsere Bäuche weh taten.

 

 

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Und wer zieht wohl schneller ein mehrteiliges Messdienergewand an, die Patres oder Matthias und Lea? Unser Team gewann knapp und holte somit den Gesamtsieg, da die Punktezahl verdoppelt wurde.

 

 

 

 

Den Abschluss des Abends bildete die 23-Uhr-Andacht in der Basilika. Eine wunderschöne Geschichte wurde vorgelesen. Sie handelte von Holzpuppen, deren Beschäftigung darin lag, sich den ganzen Tag Sternchen und Punkte anzustecken. Je mehr Sternchen, je beliebter war man. Je mehr Punkte, desto unbeliebter war man. Eine Puppe mit lauter Punkten fand schließlich den Weg zum Puppenmacher, der ihr verdeutlichte, dass sie ihren Wert nicht an ihren Punkten festmachen darf. „Ich habe Dich geschaffen, Du bist einzigartig.“, so die Aussage des Puppenmachers und im selben Augenblick fiel ein Punkt herunter, der nicht mehr an der Puppe haften blieb. Daraufhin kam die Puppe jeden Tag zum Puppenmacher. Eine schöne Geschichte, die uns alle zu regelmäßigem täglichen Beten aufforderte.

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Auch in der Nacht zum Sonntag gab es wenig Schlaf. Ein Teilnehmer hatte Geburtstag und feierte die halbe Nacht über. Entsprechend müde waren die Gesichter beim Frühstück. Aber wer lange feiert, kann auch in den Gottesdienst gehen. So gingen wir geschlossen zur heiligen Messe, die – wie schon erwähnt – mit dem Steigenlassen der Luftballons endete.

 

Nach dem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns mit dem festen Vorsatz voneinander, uns im kommenden Jahr bei der Fra-Ju-Wa wiederzusehen.

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Für die Franziskanische Jugend Blieskastel

Andrea Weinmann

 

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