Noch immer auf der Höhe der Zeit: Blieskasteler Wallfahrtswoche

Der Mai als Wonnemonat und der Oktober sind den meisten Christen als Marienmonate bekannt. Täglich rufen die Glocken zum Rosenkranzgebet. Dass aber auch der September von MARIA besonders geprägt ist, ist bei vielen heute nicht mehr präsent. Seit 1913 wurden in Blieskastel die Wallfahrten wieder verstärkt aufgenommen. Seit langem ist es Tradition, dass in Blieskastel vom 8. bis 15. September die Wallfahrtswoche stattfindet, denn in diesem Zeitraum begehen wir mit Maria Geburt (8. 9.), Maria Name (12.9.), Fatimatag (13.9.), sieben Schmerzen Mariens (15.9.) einige Gedenktage zu Ehren der GOTTESMUTTER. So waren auch in diesem Jahr ausnahmslos alle Wallfahrtstage sehr gut besucht, was mit Sicherheit auch dem schönen Wetter zu verdanken war.

Zur Eröffnung der Wallfahrtswoche und zum Pontifikalamt mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann habe ich schon ausführlich berichtet. Lassen wir an dieser Stelle den Guardian des Klosters, Pater Mateusz Micek, seine Gedanken zu den einzelnen Tagen wiedergeben:

Maria Hilfe der Christen
Das Salve Regina fügt nach dem Gruß an Maria einen Hilferuf zur
„Mutter der Barmherzigkeit“ an. Dieser Schrei kommt aus der Tiefe des Elends. Ein anderes Gebet greift diesen Ruf auf und entwickelt ihn weiter zum Schrei um Hilfe: „Hilf, Maria, es ist Zeit …!“ Das Volk selbst hat diese Bitten geformt. Helfen soll Maria in den menschlichen Nöten des täglichen Lebens: Sinnlosigkeit, Verzweiflung, Selbstmord, Lebensüberdruss, Beziehungsnot, Zerbrechen der Ehe, Hass. Aber auch in der Not des Leibes: Krankheiten und Schmerzen, Behinderung, Verletzung, Gebrechlichkeit im Alter.

Warum soll gerade Maria helfen? Sie ist die Mutter der Barmherzigkeit. Ihrgnadenbild-_-damalige-aufmachung Sohn ist der barmherzige Samariter, der gekommen ist, zu heilen und zu verbinden. Sie hat die Barmherzigkeit selber in ihrem Schoß getragen. So  lag es im Heilsplan, eine Frau in mütterlicher Rolle beim Heilsgeschehen mitwirken zu lassen. Wie oft hat Maria geholfen! Die Menschen tragen ihre Dankbarkeit an die Wallfahrtsorte in Form von Votivbildern und Gaben.

Mariä Namen
Der Name eines Menschen steht für seine Person. Dies gilt in besonderer Weise für Jesus und die heiligste Mutter Maria. Gott ruft uns mit unserem Namen. Er sagt zu uns ganz persönlich Ja. Auch zu Maria hat er Ja gesagt in seinem ewigen Plan der Liebe. Unser Wallfahrtsort ist in einer besonderen Weise mit der Anrufung des Namens Maria verbunden, nämlich als Pfeilenmadonna oder Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen, die den toten Jesus auf ihrem Schoss hält. Wichtig ist, dass wir uns diese Verbundenheit zum persönlichen Programm machen, dass wir uns von der Mutter des Herrn an der Hand nehmen lassen und mit ihr zu Jesus ihrem Sohn gehen. Sie ist  der leichteste, sicherste und vollkommenste Weg, um Christus, ihrem Sohn, nachzufolgen und ihm gleichförmig zu werden.

Der Heiligen Bernhard von Clairvaux formuliert das so:

“Wenn die Stürme der Versuchung dich bedrängen,

wenn geistige Verwirrung dich bedrückt, rufe Maria!

Wenn dein Gemüt von Rachsucht, von Habgier,

von unerlaubtem sinnlichen Begehren erschüttert wird, schaue auf Maria!

Wenn dich die Unzahl deiner Fehler erschreckt,

wenn du durch das Bewusstsein deiner Armseligkeit bedrängt wirst,

wenn du vor Angst vor dem Gericht bebst, denke an Maria!

13. September – Fatimatag – Wallfahrt der Kranken

wallfahrtswoche2
Lichterprozession

Jesus begegnete immer wieder Kranken. Der Herr hatte Mitleid mit ihnen. Sein Erbarmen bestimmte sein Handeln. Er heilte viele Kranke – oft auch durch Austreibung von Dämonen. Beides liegt auf der gleichen Ebene: der Sieg Jesu Christi über den Satan und das Heil der Menschen. Jesus verlangte von den Kranken nur eines: den Glauben. Darum hat er auch gesagt „Dein Glaube hat dich geheilt.“ Später nahmen Presbyter an Kranken Salbungen mit Öl vor und führten so die Krankenheilungen der Apostel weiter. Das mit der Krankensalbung verbundene Gebet schenkt den Kranken die Verzeihung der Sünden und, wenn es Gott will, auch die Genesung. Die Krankensalbung vermittelt den Gläubigen die Gnade, in ihrem Leiden wie in der Passion Jesu Christi einen Erlösungswert zu erkennen und ein Leid, das Gott nicht wegnimmt, im Bewusstsein seines Wertes zu tragen.

Als Muttkreuzer der Kirche und aller Gläubigen hat Maria wie ihr Sohn Mitleid mit den Kranken. Viele  Kranke, die sich hilfesuchend an Maria gewandt haben, wurden geheilt oder erfuhren wenigstens in ihrer Krankheit, dass sie in ihrem Leid nicht allein gelassen wurden, sondern immer wieder die Hilfe anderer Menschen fanden. In welchem Sinn dürfen wir Maria als Heil der Kranken anrufen? Jesus Christus ist ja allein unser Heil in einem umfassenden Sinn und darum das Heil der Kranken. Wir dürfen auch Maria Heil der Kranken nennen, insofern sie als Mutter Christi ihn und sein Heil vermittelt.

Kreuzigungsgruppe_3
Kreuzigungsgruppe Wallfahrtskirche Kloster Blieskastel
Gnadenkapelle Blieskastel

14. September Kreuzerhöhung – Patrozinium der Gnadenkapelle
-Das Fest Kreuzerhöhung lenkt unseren Blick auf das Kreuz. Es zeigt uns den, der für uns sein kostbares Blut vergossen hat. Auch draußen finden sich bei uns noch Kreuze, Wegkreuze, Feldkreuze, an denen wir nicht achtlos vorübergehen sollten. Es soll ja Segen von ihnen ausgehen, auf alle, die vorbeikommen. Man kann das Kreuz auch um den Hals tragen als Zeichen des Glaubens und als Segenszeichen. Das sagt noch nicht unbedingt etwas über das Christsein aus. „Viele tragen ein schmuckes Kreuz um den Hals, aber nur wenige tragen das Kreuz auf den Schultern“. Jesus sagt einmal: „Wer sich zu mir vor den Menschen bekennt, zu dem werde auch ich mich vor meinem himmlischen Vater bekennen“ (Matthäus 10,32).  Halten wir uns an das Kreuz. Halten wir das Kreuz heilig, und tragen wir auch das Kreuz der Nachfolge auf den Schultern. Dann wird uns das Kreuz zur Hoffnung.

15. September – Gedächtnis der Schmerzen Mariens 

K640_15-gnadenbild
Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen

– Patrozinium der Wallfahrtskirche

Die Weissagung Simeons an Maria bei der Darstellung Jesus im Tempel: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35) bildet die biblische Grundlage für diesen Gedenktag und auch für viele Darstellungen Marias mit einem Schwert in der Brust. Maria ist wenig erspart geblieben. Ihr Leben war ein geprüftes, ein leidvolles Leben. Die Gedächtnisfeier der Schmerzen Mariens will uns Trost spenden, vor allem wenn wir selber in der einen oder anderen Hinsicht vom Leid betroffen und Schweres durchzustehen haben. Das bleibt keinem Menschen erspart. Es gibt kein Leben ohne Leid. Jedes Menschenleben kennt neben Höhen auch Tiefen, neben Licht auch Schatten, Enttäuschung, Unglück, Angst, Not, Krankheit, Todesfälle, Unfrieden, Arbeitslosigkeit…Wir müssen das Kreuz nicht suchen. Wir brauchen uns kein Kreuz zu zimmern. Es ist einfach da in vielfältiger Gestalt. Mit dem Blick auf Jesus und die Schmerzen seiner Mutter sollen wir wissen, dass alles Leid erlöstes Leid ist, weil Jesus es überwunden hat.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.