Zeit in Gräfinthal

Gnadenbild „Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“

ULF mit den Pfeilen 1968

 In diesem Bildnis stecken fünf spitz zulaufende eiserne Pfeilspitzen. Wie diese Pfeilspitzen in das Bild gelangt sind, zu welchem sie nicht seit dessen Fertigstellung gehörten, wird in einer Legende berichtet.

Erinnerungsort an die Brudermanns-Klause bei Gräfinthal

 Die Mitte des 13. Jahrhunderts lebte ein Eremit, dessen Name und Herkunft nicht mehr bekannt ist, in dem noch wenig bevölkerten Bliesgau. Selten kam irgendjemand in diese Gegend. Wer dies aber doch von Zeit zu Zeit der Fall, so wurde das Vesperbild, welches der Einsiedler in der Höhlung eines vier Klafter dicken Eichbaumes aufgestellt hatte, auch von diesen verehrt. Da nun die Zeit immer unruhiger wurde, blieb es nicht aus, dass sich eines Tages auch  einige wilde Gesellen an diesem Orte einfanden.  Die räuberischen Burschen, die mit Armbrusten bewaffnet waren, wollten den Einsiedler berauben. Da es bei ihm aber nichts zu holen gab, ließen sie ihre Wut und Enttäuschung an dem Brudermann und dessen Vesperbild aus. Den Einsiedler schlugen und misshandelten sie, während sie das Bild als Zielscheibe bei einem Wettschießen benutzten.

Das Bild wurde von fünf Pfeilen getroffen, die tief in das Holz eindrangen. Doch was daraufhin geschah, bekehrte selbst diese rauen Burschen. Aus den Wunden Christi und Mariä, die von den Pfeilen hervorgerufen wurden, floss rosenfarbenes Blut.

Diese Begebenheit sprach sich schnell herum und ein jeder, der davon hörte, wollte die Pfeile, die in dem Bildwerk steckten, und die von ihnen verursachten Blutspuren sehen.

Auch ein Blinder aus der Gegend hörte davon und voll Vertrauen auf Gottes Wunderkraft, die sich an dem Bilde bewährt hatte, ließ er sich dahin führen. Nach heißem Gebet bestrich er vertrauensvoll seine erloschenen Augen mit dem „roten Schweiße“ und es geschah nach seinem Glauben, dass er sehend ward. Wie groß war seine Freude, wie lebhaft sein Dank! Gleich den beiden Blinden, die nach der Erzählung des Evangelisten Matthäus (9,27-31) von Jesus selbst durch Berührung ihrer Augen die Sehkraft wieder erlangt hatten, ging er hinweg und verbreitete den Ruf davon in derselben ganzen Gegend.

Dies vernahm auch die Gräfin Elisabeth zu Blieskastel, die Erbtochter des Bliesgaugrafen Heinrich und seiner Gemahlin Agnes von Sayn. Sie litt an einer schmerzlichen Augenkrankheit. Sofort machte sie sich mit ihrem ganzen Hofgesinde auf den Weg zu dem Bilde. Voll Vertrauen auf die Wunderkraft des Bildes bestrich sie sich die Augen mit dem blutigen Schweiß, so neben den Eisenpfeilen herausgeflossen.    Auf der Stelle wurde sie von ihrem Augenleiden befreit. Aus Dankbarkeit ließ Gräfin Elisabeth Kirche und Kloster Gräfinthal erbauen.  Das wundersame Vesperbild wurde feierlich in die neue Klosterkirche übertragen und der Obhut der Wilhelmiten-Mönche unterstellt.

Kloster Gräfinthal-2

Aus der Zeit, in  der das Gnadenbild seinen Standort in der Klosterkirche zu Gräfinthal hatte, sind uns 89 Wundertätigkeiten überliefert. Diese hat der Wilhelmitenmönch Fr. Schaal 1671 aufgezeichnet. Es sind auch viele Gebetserhörungen aus den entfernteren Orten bekannt.

Die Pietá „Unsere Liebe Frau mit den Pfeilen“ hatte eine starke Auswirkung und hat Jahrhunderte lang viele Pilger nach Gräfinthal gezogen.

Besondere Verehrung für das Gnadenbild brachte der stete Besuch des Polenkönigs Stanislaus Leszczynski (Lescinsky), der zu Beginn des 18. Jahrhunderts mehrere Jahre in Zweibrücken lebte. Auch Maria, die Gemahlin Ludwigs XV., eine Tochter des Polenkönigs, war Gräfinthal  und seinem Gnadenbilde sehr zugetan. Im März 1717 ließ der König die achtzehnjährige Prinzessin Anna in der Nähe des Altares beisetzen. Des öfteren wurde Gräfinthal auch von dem Herzog von Zweibrücken, Pfalzgraf Gustav Samuel, ein Neffe des Schwedenkönigs Gustav Adolf, besucht.