Transitus – vom Leben und Sterben des heiligen Franziskus

16-transitus2Anfang des Testaments des Heiligen Franziskus: „Der Herr gab mir, Bruder Franziskus, ein Leben der Buße in folgender Weise zu beginnen. Denn als ich mich noch in Sünden befand, da schien es mir bitter zu sein, die Aussätzigen auch nur anzublicken. Und der Herr führte mich zu ihnen und ich zeigte ihnen Erbarmen. Und als ich sie verließ, da wurde das, was mir zunächst bitter zu sein schien, in Süßigkeit von Seele und Leib verwandelt.“

Der reiche und stolze junge Mann reitet auf einem Pferd durch die Gegend von Assisi und begegnet einem Aussätzigen. Es ekelt den ihn. Er möchte sich die Nase zuhalten und die Augen abwenden, um in keiner Weise mit diesem Elend in Berührung zu kommen. Aber es gelingt ihm nicht. Der göttliche Wink trifft ihn ins Herz und zwingt ihn, vom Pferd zu steigen und den Aussätzigen zu küssen. Als er wieder auf dem Pferd sitzt und sich noch einmal umdreht, findet er ihn nicht mehr. Denn Christus selbst war ihm als Aussätziger erschienen, um ihn endgültig zu bekehren.

Alles Wichtige für das Leben des Heiligen Franziskus wird ihm in dieser Begegnung wie ein Saatkorn ins Herz gesät. Der göttliche Wink sagt ihm: Komm endlich herunter von deinem hohen Ross, verdemütige dich und lerne, Gottes Willen zu tun. Tue Buße, besonders indem du den Ärmsten der Armen Liebe erweist. Und wenn dies bitter für dich ist, dann werde ich das Bittere für dich süß werden lassen. Denn in den Armen findest du und liebst du mich.

So verwandelt die Süßigkeit der Liebe und Freude an Gott das Leben des Franziskus. Er versteht, was Gott zu ihm sagen möchte. Er erkennt: Ich habe Christus in dem Aussätzigen gefunden. Doch Christus hat mich, den Sünder, zuerst umarmt und geküsst. Er hat mir gezeigt: Ich, dein Herr, lasse dich nie mehr los. So ist Franziskus zutiefst getroffen 16-transitus1vom Geheimnis der Liebe Gottes, die sein Herz umarmt, obwohl er sie zunächst zurückgestoßen hatte.

Der anhaltende Kuss Gottes wird gänzlich offenbar, als der Herr dem Heiligen seine eigenen Kreuzeswunden auf dem Berg La Verna einprägt. Ein gekreuzigter Seraph mit sechs Flügeln erscheint Franziskus. Die Erscheinung erfüllt Franziskus mit Freude und Angst, weil sich ihm darin sowohl die tiefe Liebe als auch der große Schmerz des Gekreuzigten offenbaren. Doch versteht der Heilige die Erscheinung erst, als er die Wunden des Gekreuzigten an seinem Leib findet.

Aus dieser tiefen Berührtheit von Gott schreibt Franz in seinem Brief an alle Gläubigen: “Und ihr seid Bräute, Brüder und Mütter unseres Herrn Jesus Christus. Wir sind Bräute, wenn der Heiliger Geist die glaubende Seele mit Christus vereint. Wir sind seine Brüder, wenn wir den Willen des Vaters tun. … Wir sind Mütter, wenn wir ihn durch die Liebe und ein reines und ehrliches Gewissen in unserm Herzen und unserem Leib tragen. Wir gebären ihn durch heilige Werke.“

Franz schenkt uns hier noch einmal einen Blick in seine reine Seele, die ganz aus der Einheit mit Christus lebt. Diese Einheit erfährt der Heilige als ein Einwohnen des lebendigen Gottes. Er erblickt den unsichtbaren Gott im Spiegel seines ehrlichen Gewissens, das ungetrübt von Gottes Geist in der Seele kündet und in seiner Reinheit die Seele in Gott ruhen lässt. Umgekehrt gilt dasselbe: Gott stillt die Seele in der Ruhe des Gewissens. Und wo immer der Mensch dann ein gutes Werk tut, da lernt er, dass es im Innersten aus Gott ausgeflossen ist, dass es Gottes Gabe ist, aus der Stille des Gewissens, nicht Eigentum des Menschen.

Wir sehen: Der Kuss Gottes ist eine bleibende, friedensspendende Einheit mit dem Herrn, in dem die Seele ruht. Und in allem, was Franziskus getan hat, hat er versucht, diesen göttlichen Kuss an die Geschöpfe weiterzugeben. Denn er wusste: Gott ist in allen Geschöpfen. Deshalb sind sie meine Brüder und Schwestern. Deshalb predigte er selbst den Vögeln. Wenn ein schlechter Gedanke den Frieden in seiner Seele bedrohte, konnte Franz seinen Leib nahezu quälen, um die Liebe rein zu bewahren. Wenn er verprügelt oder auf andere Weise gedemütigt wurde, freute er sich, weil er sich darin noch tiefer mit Christus verbunden sah. Doch die tiefste Christusverbundenheit fand er, wie bei seiner Bekehrung, als er den Aussätzigen küsste, in der Liebe zur Seele seines Nächsten. Denn er sagte sich: Ich kann kein Freund Christi sein, wenn ich nicht die Menschen liebe, für die er sein Leben gab.

So betete Franziskus, predigte und tat Werke der Buße, um viele Seelen zu Gott zu führen und so Christus immer ähnlicher zu werden, um Christus in den Aussätzigen zu küssen, so wie er zuerst von Christus geküsst worden war. Was können wir also von Franziskus sagen? Er war der von Gott geküsste Mensch, verwandelt und verschlungen von der göttlichen Liebe, ein Geschenk von Gottes Güte an die Welt.

Pater Mateusz

 

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