Vesper mit Fastenpredigt am 01. März 2015

Die Vesper wurde unter Mitwirkung der anwesenden Minoriten aus dem Kloster Blieskastel eröffnet. Alle waren da, ein schönes Bild: Bruder Jakub, Pater Adam, Pater Józef, Pater Mateusz, Pater Rafał und Pater Piotr. Als Gast begrüßte dann Pater Piotr den Pater Gerd Hemken, den Herz-Jesu-Priester, aus Neustadt an der Weinstraße. Dieser gab einen Einblick in seinen Orden und erzählte auch von dessen Gründer. Hier wird eine Zusammenfassung veröffentlicht. Ausführliche Informationen erhalten Sie unter: http://www.scj.de/

P. Gerd Hemken_2

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Herz-Jesu-Priester leben und arbeiten in 42 Ländern, verteilt auf vier Kontinente (außer Australien). Der Ordensgemeinschaft der Dehonianer gehören derzeit über 2300 Brüder und Patres an. Während in den europäischen Ländern die Zahl der Novizen überschaubar ist, hat die Gemeinschaft etwa in Indien oder Südamerika starken Zulauf.
Logo: Kreuz mit Herz
Das Logo – das Kreuz mit dem Herz in der Mitte – erinnert daran, dass Jesus die Menschen ohne Wenn und Aber geliebt hat. Seine Liebe nehmen sich die Priester zum Vorbild. Mit dieser Spiritualität gehen sie auf die Menschen zu.
Zentrale Leitworte und Leitmotive der Herz-Jesu-Verehrung sind:
• Gott ist Liebe – er hat mich geliebt und sich für mich hingegeben (Gal.  2,20)

  • Dein Reich komme – Reich der Gerechtigkeit, der Liebe, der Barmherzigkeit
  • Verfügbarkeit: Dein Wille geschehe – Fiat
  • Hingabe: Die größte Liebe hat der, der verlieren kann
  • Christus-Mystik: verbunden wie Weinstock und Rebe
  • In der Gesinnung Jesu leben (Saint Sulpice)
  • Auf den schauen, den sie durchbohrt haben – die geöffnete Seite des Herrn
  • Eucharistie, eucharistische Anbetung und Betrachtung
  • Siehe ich komme – Ecce venio
  • Zivilisation der Liebe
  • Stellvertretung – Wiedergutmachung
  • Propheten der Liebe und Diener der Versöhnung

P. Gerd Hemken

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gemeinschaft als Leben und Erleben ist sehr wichtig und ist für viele ein entscheidender Grund, Herz-Jesu-Priester zu werden. In einer Zeit, in der viele Menschen über Einsamkeit und Verlorenheit klagen, haben sie ihren Platz in einer Gruppe gefunden. Aber diese Gruppe ist kein Selbstzweck. Letztlich orientiert sich ihr Leben im Orden an der Ausrichtung auf Gott. Er führt sie, er erfüllt sie. Er ist der Grund, warum sie zu einer Gemeinschaft zusammengefunden haben. Er ist ihr Ziel und verbindet sie über alle Unterschiede hinweg.
Jede Gemeinschaft braucht einen Leitfaden. Dafür gibt es Ordensregeln. Sie gehen auf den Gründer der Herz-Jesu-Priester, Pater Leo Dehon, zurück. Auf ihn bezieht sich auch ihr anderer Name: Dehonianer. Pater Dehon hat die Grundlagen für eine Textsammlung gegeben, die die Aufgaben und den geistlichen Weg festlegen. Das Gemeinschaftsleben nimmt darin einen wichtigen Platz ein: Man trifft sich nach Möglichkeit zu festen Gebetszeiten, isst zusammen oder verbringt einen Teil der Freizeit miteinander. Gemeinsam wird an verschiedenen Projekten und Anliegen gearbeitet. Es ist eine Glaubens,- Arbeits- und Lebensgemeinschaft.
So betonte denn auch Pater Hemken, dass es „DIE“ Ordenstracht nicht gibt für einen Herz-Jesu-Priester. Ihr Gründer sagte, sie sollen sich an der Tracht weltlichen Priester orientieren und so erkennt man sie an ihrem Logo, dem bereits vorgestellten Kreuz mit dem Herzen.
Die Herz-Jesu-Priester sind ein apostolischer Orden. Das Gegenteil davon ist ein kontemplativer Orden, der mehr oder weniger Wert auf Abgeschiedenheit von der Welt legt. Für Herz-Jesu-Priester dagegen ist die Arbeit im Alltag und der Kontakt mit Menschen entscheidend. Der Gründer Pater Leo Dehon SCJ hat ihnen diesen Auftrag erteilt, als er fordert „Geht zu den Menschen!“
Sie sollen aber nicht nur zu den Menschen gehen und ihnen zusehen. Im Gegenteil: sie wollen mit ihnen das Leben verbringen, ihre Nöte und Ängste mittragen, ihnen helfen, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Die Verzweiflung und Hoffnung, das Leid und die Freude, die Trauer und den Jubel – sie möchten alle Facetten des Lebens mit den Menschen teilen. Und sie wollen dazu beitragen, dass in diesem Leben ein wenig mehr vom „Reich Gottes auf Erden“ zu spüren ist. Dass es mehr Hoffnung und weniger Verzweiflung gibt.
Mit viel augenscheinlicher Freude erzählte er vom Gründer des Ordens, seine Erzählung war lebhaft, spannend und fesselnd. Am 14. März 1843 wird Leo Dehon in La Capelle in Nordfrankreich geboren. Seine Eltern verdienen ihr Geld mit der Zucht von Rennpferden und dem Vertrieb von Bier. Materiell haben die Dehons keine Sorgen. Der Vater will eine Karriere für seinen Sohn als Rechtsanwalt oder im diplomatischen Dienst. Als sein Sohn am Ende der Schulzeit erklärt, er möchte Priester werden, hält der Vater nichts von dem Wunsch seines 16-jährigen Sohnes. Er schickt ihn zum Studium der Rechtswissenschaften nach Paris.

 

Der Sohn folgt dem Willen seines Vaters, schließt das Studium 1864 als Rechtsanwalt ab, bleibt aber bei seinem Vorhaben, Priester zu werden. Der Vater versucht eine letzte List und schickt ihn auf eine Reise in den Orient zusammen mit seinem besten Freund. Er soll auf andere Gedanken zu kommen. Der Vater hofft, dass er vielleicht eine orientalische Schönheit kennenlernt und sich verliebt.

 

Der reiselustige Leo nimmt das Angebot an, doch am Ende der Reise steht sein Entschluss nur noch umso fester. Er will Priester werden und meldet sich in Rom zusammen mit seinem Freund an. Neben seinem Doktor in Jura, den er schon in Paris erworben hat, erwirbt er noch Doktortitel in Philosophie, Theologie und Kirchenrecht. Er arbeitet unter anderem als Stenograf mit am ersten Vatikanischen Konzil.

Nach seiner Priesterweihe ist er selbst unschlüssig über seine Zukunft. Er überlässt die Entscheidung seinen Ortsbischof, dem er sich uneingeschränkt zur Verfügung stellt. Leo Dehon wird nicht an eine Universität oder in eine Leitungsaufgabe berufen, sondern man setzt ihn als Kaplan in der Arbeiterstadt St. Quentin im Norden Frankreichs ein. Das ist absolut das Gegenteil von dem, was er sich seit Jahren gewünscht hat.
Die Stadt St. Quentin konfrontiert Leo Dehon mit der bitteren Realität der Arbeiter. Ausbeutung und Elend. Unfall-, Kranken- und Rentenversicherung sind noch Fremdworte. Die Löhne schwanken, die Hütten sind armselig, Krankheit und Alkoholismus die Folge. 30.000 Katholiken gehören zu Dehons Pfarrei, doch kaum einer kommt in die Kirche.
Doch er hebt nicht ermahnend den Finger oder droht gar mit der Hölle. Und er urteilt nicht, sondern er packt die Probleme an.
Leo Dehon gründet eine Tagesstätte für Kinder und Jugendliche, von denen viele in dieser Umgebung verwahrlost herumhängen, ein Haus der Arbeiterfamilien, eine Zeitung, schreibt in vielen Blättern, redet auf sozialpolitischen Kongressen, leitet einen Kreis zum Studium sozialer Probleme. Er packt die Wurzeln der Probleme der Industrialisierung an, die mit ihren schlimmsten Auswirkungen gerade voll in Gang sind. Bildung ist das Schlüsselwort für ihn. 1877 gründet er daher ein kirchliches Gymnasium, das Kolleg St. Jean.
Um die Jahrhundertwende kommt es in Frankreich zu immer größeren Spannungen zwischen Kirche und Staat. Den Ordensleuten wurde das Unterrichten verboten, dann werden Ordensgemeinschaften verboten, zum Schluss sogar die Ordensmänner und -frauen aus Frankreich ausgewiesen. Der Ordensgründer muss sich um den Fortbestand seines Lebenswerkes sorgen.
Der erste Weltkrieg verschärft die Probleme. Deutsche und französische Herz-Jesu-Priester stehen einander als Soldaten ihrer Länder gegenüber. Für die Ordensgemeinschaft bedeutet dies eine Zerreißprobe. Nach Ende des Krieges muss der mittlerweile 75-jährige Dehon all seine Kräfte aufbieten, um die Menschen zur Einheit und zum Wiederaufbau zu motivieren.

 

Ein bedeutender Zug seiner Persönlichkeit hilft ihm, diese Situation zu meistern: „Keinen Menschen jemals aufgeben, weder Freund noch Gegner, sondern jedem in schier unerschöpflicher Geduld und Liebe nachgehen.“ Leo Dehon stirbt am 12. August 1925 in Brüssel. Er sagt, dass seine Lebensaufgaben die Wahrheit und die Liebe seien.
Und so forderte Pater Hemken auch uns auf, besonders die Fastenzeit als Gelegenheit zur Umkehr und Einkehr zu nutzen und im Nächsten Jesus Christus zu erkennen und zu helfen, wo es Not tut.

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