Was nicht widerlegt ist, …

Was nicht widerlegt ist, darf auch weiterhin geglaubt werden

 Vortrag von Professor Doktor Ammerich aus Speyer zur Geschichte des Gnadenbildes Blieskastel

 Im PilgerrastSo bunt gemischt wie das Publikum waren auch die Meinungen am Ende des Vortrags von Professor Doktor Ammerich. Sie reichten von „gutem Vortrag“ über „ich habe mir mehr versprochen“ bis hin zu „ich habe eigentlich nichts Neues erfahren. Ich bin so schlau wie vorher.“

Aber der Reihe nach: Fakt ist, dass das Gnadenbild von Blieskastel eines der Ältesten seiner Art ist. Es dürfte in der Zeit zwischen 1340 und 1360 entstanden sein. Die darin steckenden fünf Pfeile sind ebenfalls sehr alt und stammen aus dieser Epoche. Neben den Pfeilen, die in der Brust, im Magen und im Schoß Mariens sowie in der Seitenwunde Jesu und etwas unterhalb in das Holz eingedrungen sind, weist das Bild eine weitere Besonderheit auf: Den engen Blickkontakt, den Maria mit ihrem toten Sohn hat. Entgegen ähnlichen Vesperbildern wird der Betrachter nicht in diese enge Verbindung mit hinein genommen.

Der Dozent zeichnete die wechselvolle Geschichte des Gnadenbildes auf. Das Gnadenbild „Unserer lieben Frau mit den Pfeilen“ teilte das Schicksal unserer Heimat und musste Kriege überstehen.  Auf Wunsch der Gräfin Marianne von der Leyen siedelten die Wilhelmiten aus dem Kloster Gräfinthal um und wurden Chorherren von Blieskastel. Marianne von der Leyen stiftete dem Gnadenbild auch die vergoldete Krone. Die Französische Revolution bereitete dem Herrschaftsgeschlecht derer  „Von der Leyen“  ein jähes Ende.

Nach der Französischen Revolution wurde das Gnadenbild sogar zum „Gegenstand“, den Napoléons Anhänger zu Geld machten. Die sogenannte Ausleerungskommission ließ alles versteigern, was nicht niet- und nagelfest war. So überboten sich bei der Versteigerung des Gnadenbildes die Jungfrauen von Gräfinthal und die Jungfrauen von Blieskastel gegenseitig, wobei die Jungfrauen von Blieskastel schließlich mit 125 Gulden den Zuschlag erhielten.

Bedenken

Aber auch jetzt war die Wanderschaft des Gnadenbildes noch nicht vorbei. Es war in der Pfarrkirche St. Sebastian und zeitweise in der Klosterkirche beheimatet, bevor es in die Heilig-Kreuz-Kapelle Blieskastel verbracht wurde. Nach Restaurationsarbeiten von 1911 bis 1913 erfolgte die feierliche Wiedereinführung in die Heilig-Kreuz-Kapelle. Seither erfreut sich die Wallfahrt nach Blieskastel immer größerer Beliebtheit und wurde nur in den Kriegswirren des 20. Jahrhunderts unterbrochen.

Auch auf die verschiedenen Chorherren ging der Referent ein. Im Laufe der Jahrhunderte waren es die schon erwähnten Wilhelmiten, außerdem Franziskaner, Kapuziner und heute wieder Franziskaner Minoriten, wobei sich vor allem die Franziskaner um Kloster und Kapelle verdient gemacht haben. Professor Dr. Ammerich ging zunächst nur auf die historisch belegbaren Fakten ein. Es sei gut möglich, dass die Pieta in einer Werkstatt im frühen 14. Jahrhundert entstanden sei und dann von den Wilhelmiten mit nach Gräfinthal gebracht wurde.

Nach der Legende gefragt, vertrat er die Meinung, dass in jeder Legende ein Fünkchen Wahrheit stecke. Die Legenden seien einem Büchlein von Friedrich Scharl mit dem Titel „Wunderbüchlein“ entnommen. Sie seien weder zu widerlegen noch auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Dieses Schicksal teile das „Gnadenbild Unserer Lieben Frau mit den Pfeilen“ mit vielen anderen Gnadenstätten, bei denen Heilungen beschrieben werden.

Zufriedenheit

Lediglich eine Behauptung scheint widerlegt zu sein: Gräfin Elisabeth wurde von ihrem Augenleiden nicht durch das Gnadenbild geheilt. Es klafft eine Lücke von fast 100 Jahren zwischen dem irdischen Leben Elisabeths und dem wahrscheinlichen Alter des Gnadenbildes. Auch die fromme Legende, dass Blut aus den Wunden geflossen sei, und die daraus resultierende Heilung eines Blinden, lasse sich weder bestätigen noch dementieren.

So ziehe ich für mich das Resümee: Vieles hat die Geschichte in einen Schleier gehüllt. Ich muss nicht alles wissen oder erforschen. Glauben heißt ja gerade „nicht wissen“. Und warum sollte ich dem Zeugnis aus einem alten Büchlein, das von den Wundern berichtet, nicht glauben? Und wer gibt mir das Recht, die unzähligen Votivtafeln, die in alten Abbildungen noch zu sehen sind, anzuzweifeln? Ich bin fest davon überzeugt: Maria wirkt – auch heute noch – an den Stätten, an denen sie besonders verehrt wird. Was nicht widerlegt ist, darf ich glauben. Und ich glaube, dass in der Legende „Unserer lieben Frau mit den Pfeilen“ vieles Wahres steckt.

Andrea Weinmann

Gersheim

 

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